hr1 ZUSPRUCH
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Porträt einer Frau mit schulterlangen, glatten Haaren und einer Brille. Sie trägt ein lila Oberteil und lächelt freundlich in die Kamera. Der Hintergrund ist hell und neutral.

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin, Herborn

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Osterspaziergang

Am Wochenende war ich auf einem Osterspaziergang mit Freunden. Kinder, Hund, Picknickdecke – alles dabei. Wir brechen auf zu einem ungewöhnlichen Ziel: der Friedhof. Im Gehen bringen wir uns auf den neuesten Stand: Wie geht es dir? Was ist gerade schön? Was ist anstrengend? 

Osterspaziergang: Unterwegs zum Friedhof

Wir kommen am Friedhof an. Halten kurz an. Der Hund kommt an die Leine. Für die Kinder gilt: Hier nicht mehr ganz so laut schreien und toben, aber lachen und rennen dürft ihr weiterhin. Denn in diesem Teil des Friedhofs gibt es statt Gräbern und Grabsteinen Bäume – große und kleine. Es sieht eigentlich aus wie ein Park, der einlädt zum Spazieren und Verweilen. Unter einem Baum liegt der Vater meiner Freundin begraben. Und gleich da drüben ist der Baum, an dem meine Schwiegermutter beerdigt ist. Genau hier machen wir Rast: Picknickdecke raus. Kuchen. Kaffee. Limo. Käsewürfel. Wasser für den Hund. Und unsere Verstorbenen – die sind irgendwie mit dabei.

Picknick auf dem Friedhof: Darf man das?

Denn Tod bedeutet für mich nicht: Alles weg, alles vorbei. Sondern: Da kommt noch was. Ostern ist für Christen das Fest, das genau das feiert: Jesus ist gestorben – und dann auferstanden. Er lebt. Das war die Erfahrung der ersten Jünger und Jüngerinnen. Sie erkennen: Jesus ist noch da. Auf eine Art, die sie nicht erwartet hätten. Und das hat alles verändert. Nicht nur für sie damals. Sondern auch für den Umgang mit dem Tod heute. Mit denen, die wir vermissen. Die sind weiter da – nur ganz anders. 

Osterglaube: Was kommt nach dem Tod?

Auf unserer Picknickdecke zwischen den Bäumen und Gräbern sind sie mit dabei - in unseren Gesprächen, in unseren Erinnerungen. So sehr - wir haben sogar mit meiner Schwiegermutter gesprochen. Uns verabschiedet, als wir aufgebrochen sind: „Bis bald.“

Erinnerungen auf der Picknickdecke: Nähe zu den Verstorbenen

Wir haben Korb und Decke zusammengepackt und sind zurückgegangen. Und etwas war anders. Leichter. Das ist Ostern: Die, die ich vermisse, sind nicht einfach weg. Sie bleiben – wenn auch anders. Auf eine Art, die ich nicht erklären kann – aber spüren. Beim Erzählen, Erinnern, bei Kuchen und Käsewürfeln. Ich weiß: Wir sehen uns.