hr1 ZUSPRUCH
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Schäfer, Christoph

Eine Sendung von
Christoph Schäfer,
Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim

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Eine gelbe Blume wächst aus rissiger, trockener Erde. Die Blüte steht im Mittelpunkt und symbolisiert Hoffnung und Widerstandskraft in einer herausfordernden Umgebung.

Hoffnung hilft – auch in kleinsten Mengen

Wenn es in der Bibel um einen „Judas" geht, denk ich meistens erst an Judas Iskariot. Laut Bibel war er der Jünger, der Jesus verraten hat. Aber ich weiß auch: „Judas" war damals ein häufiger Name. Es hat dem Neuen Testament zufolge sogar noch einen zweiten Jünger namens Judas gegeben: den heiligen Judas Thaddäus. Heute ist sein Gedenktag. Weil ich selbst nicht so viel über ihn wusste, habe ich mal ein bisschen recherchiert. Er wird auf eine ganz besondere Weise verehrt, denn er gilt als „Schutzpatron des Unmöglichen". Zahllose Menschen haben in verzweifelten Situationen zu ihm gebetet, damit er sich bei Gott für sie einsetzt. Viele Dankinschriften, zum Beispiel in Kapellen, belegen: Oft haben sie die Überzeugung gehabt, Judas Thaddäus hat ihnen geholfen.

Gebet und Wunder – eigene Erfahrungen

Ich habe viel Respekt vor solchen Überzeugungen. Aber mir ist auch seit langem bewusst: Wenn ich bete und dabei ein Wunder im Sinne einer ganz konkreten Lösung erwarte – dann komme ich schnell in eine gedankliche Sackgasse. Schon als Kind hab ich nämlich die Erfahrung gemacht: Diese Art zu beten – zum Beispiel vor einer Klassenarbeit – funktioniert nicht „wie auf Knopfdruck". Seitdem habe ich bei Freunden leider erlebt: Auch ganz intensive Gebete in dramatischen Situationen helfen oft nicht im Sinne, dass etwa eine wundersame Heilung geschieht.

Problematische Seiten der Heiligenverehrung

Mit diesen Erfahrungen im Hinterkopf, hab ich mich noch einmal genauer mit der Verehrung des Judas Thaddäus beschäftigt. Und bin dabei auch mit einer problematischen Seite von Heiligenverehrung konfrontiert worden: Im Ersten Weltkrieg wurde die Verehrung von Judas Thaddäus auch für patriotische Zwecke vereinnahmt. Mit Durchhalte-Parolen zum Beispiel in der Hoffnung auf einen Sieg.

Hoffnung durch Beten in ausweglosen Situationen

Als Christ habe ich aber auch die Erfahrung gemacht: Gerade in ausweglosen Situationen ist Beten eine große Hilfe. Das habe ich selbst erlebt, etwa bei einer schweren Lungenkrankheit. Und auch bei anderen gläubigen Menschen im Freundes- und Bekanntenkreis. Beten kann dann eine ganz besondere Form von Hoffnung schenken. Ich spüre dann intensiv: Ich bin nicht alleine – nicht alles ist sinnlos und es ist wichtig, nicht aufzugeben. Das ist für mich die Botschaft der langen Tradition des „Heiligen des Unmöglichen": Hoffnung hilft. Auch in ganz kleinen Mengen.