hr1 ZUSPRUCH
hr1
Krause-Vilmar, Dr. Elisabeth

Eine Sendung von
Dr. Elisabeth Krause-Vilmar,
Evangelische Pfarrerin, Bad Vilbel

00:00
00:00

Glückselig

Ich sitze in einem Café. Am Nachbartisch ein Junge, vielleicht fünf Jahre alt. Er war gerade in einem Musical. Vor ihm liegen Tüten mit Kuscheltieren und Plakaten. Kleine Schätze, die er dort bekommen oder ausgesucht hat. Um ihn herum sitzt seine Familie: Eltern, Großeltern, Geschwister.

Was echte Freude so besonders macht

Und dieser Junge ist einfach nur glücklich. Nicht ein bisschen zufrieden. Nicht freundlich lächelnd. Glückselig. Ich kann gar nicht anders. Ich muss immer wieder zu ihm schauen. Eigentlich passiert nichts Besonderes. Niemand macht ein Foto. Niemand hält eine Rede. Niemand erklärt ihm, wie schön dieser Moment gerade ist.

Die Kunst, ganz im Hier und Jetzt zu leben

Er sitzt einfach nur da. Mitten in diesem Augenblick. Diese Szene ist mir nachgegangen. Vielleicht, weil in ihr etwas sichtbar wird, das im Alltag leicht verloren geht. Die Fähigkeit, ganz in einem Moment da zu sein. Sich zu freuen über das, was gerade ist. Nicht über das, was noch kommen könnte. Nicht über das, was schon vorbei ist. Einfach jetzt.

Für einen Augenblick schien alles in Ordnung zu sein. Die Kuscheltiere. Die Plakate. Die Familie um ihn herum. Mehr brauchte es nicht. Ich glaube nicht, dass solche Momente planbar sind. Man kann Glück nicht kaufen, nicht herstellen und nicht festhalten. Aber manchmal begegnet es uns. In einem Gespräch. Bei einer Tasse Kaffee. In einem Lied. In einem Lächeln. Und manchmal sitzt es einfach am Nachbartisch.

„Das Reich Gottes ist mitten unter euch“: Ein Vorgeschmack auf das Glück

Im Stillen denke ich an die Worte von Jesus: „Das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ So muss es sich anfühlen. Für einen Augenblick ist einfach alles da. Freude. Verbundenheit. Geborgenheit. Mehr braucht es nicht.

Der Junge im Café hat an diesem Tag nur wenige Worte verloren. Aber sein glückseliger Blick war Erinnerung genug: Das Glück ist längst schon da. Mitten unter uns.