Genies und Genießer…
Eine Anekdote über Mozart mag ich besonders gern: Eines Tages ist ein junger Mann auf das Genie losgestürmt. Und hat ihn zugetextet: Er habe jetzt beschlossen, auch Komponist zu werden. Und er will nun wissen: Wie schreibt man eine Oper? Mozart hat sich das angehört. Und vorgeschlagen: „Fangen Sie doch mit kurzen Liedern an“. Doch da hat der Mann genörgelt: „Sie haben doch sogar schon als Schüler Opern geschrieben!“ Darauf Mozart trocken: „Ja. Aber ich hab nicht andere gefragt, wie man das macht.“
Ich bin dagegen eher ein „Normal-Lerner“
Einem Jahrhundertgenie wie Mozart bin ich noch nie begegnet. Aber ich hab oft erlebt: Manchen Leuten fliegt es einfach zu, wenn sie Neues ausprobieren. Zum Beispiel Tennis spielen. Oder Französisch lernen. Ich bin dagegen eher ein „Normal-Lerner“. Und bewundere Lern-Talente. Ich geb zu: Ich beneide sie oft. Ab und zu schüchtern sie mich auch richtig ein.
Ich möchte mich davon aber nicht mehr so irritieren lassen, dass es auf die Motivation schlägt. Dabei hilft mir der Gedanke an die Mozart-Anekdote. Selbst dieses Genie hat ja im Blick gehabt: Die meisten Menschen fangen klein an, wenn sie etwas Neues lernen. Und es kann fatal sein, sich mit anderen zu vergleichen.
Bin dann aber doch am Ball geblieben
Mir fällt dazu wieder ein: Ich hab mit 16 meine erste Gitarre gekauft und begeistert erste Akkorde geschrubbt. Schnell hab ich aber gemerkt: Zwei Gitarrenfreaks, die mit mir angefangen haben, waren schon nach ein paar Wochen viel besser als ich… um Längen voraus. Ich wollte die Sache aufstecken. Bin dann aber doch am Ball geblieben. Und meine immer noch bescheidenen Fähigkeiten haben mir seitdem viele wunderbare Musik-Momente beschert. Etwa beim Klampfen am Lagerfeuer. Es wäre schade gewesen, wenn ich das Gitarrenspielen aufgegeben hätte. Ebenso geht es mir mit Italienisch. Ich lerne langsam. Merke aber im Urlaub: Jedes neu gelernte Wort hilft im Alltag. Auch wenn andere aus dem ersten Italienischkurs längst wie Gondolieri parlieren. Und ich im Vergleich dazu nur stottere.
Das langsame Lernen – ein Stück Lebensqualität
Wenn ich mir eingestehe, dass ich kein Genie bin, dann kann ich das ausleben, was ich letztlich oft bin: ein Genuss-Lerner. Der sich nichts beweisen muss. Ich nehme mir vor, dass ich mir das bewahre. Denn Lernen – auch das langsame Lernen – ist ein Stück Lebensqualität.