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Krause-Vilmar, Dr. Elisabeth

Eine Sendung von

Evangelische Pfarrerin, Bad Vilbel

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Es dauert gleich lang

In einem christlichen Bildungshaus gibt es eine Frau, die eigentlich längst im Ruhestand ist. Doch sie bleibt – nicht aus Pflicht, sondern aus Freude. Hildegard ist 75 und Küchenchefin mit ganzem Herzen. Wer einmal erlebt hat, wie sie die Gäste in den Tischdienst einweist, vergisst das nicht so schnell.

Tischdecken mit Herz – Hildegards Lebensphilosophie im Bildungshaus

Wenn eine neue Gruppe ankommt, stellt sie sich vor sie hin, ruhig, klar, warmherzig. Und dann sagt sie ihren Satz, den viele schon kennen und doch jedes Mal neu hören: „Es dauert gleich lang, ob man einen Tisch liebevoll oder lieblos deckt.“ Ein einfacher Satz. 

Mehr als eine Aufgabe – Was steckt hinter einer liebevollen Geste?

Aber er erinnert daran, dass es im Leben nicht nur darum geht, etwas zu tun – sondern wie wir es tun. Ich denke oft darüber nach, wie viel Wahrheit in solchen alltäglichen Gesten steckt. 

Was wir mit in den Tag bringen – Müdigkeit, Freude, Sorge: Wie Haltung wirkt

Wir bringen alle etwas mit in unsere Tage: einige die Müdigkeit nach einer langen Woche, andere die Freude über eine gute Nachricht und manche die Sorge um jemanden, der ihnen wichtig ist. All das schwingt mit, wenn wir handeln. Und genau deshalb spüren wir, ob da nur etwas abgearbeitet wird – oder ob da Liebe drinsteckt. Ob eine Handlung sozusagen innerlich gedeckt ist, also stimmig. 

Aufmerksamkeit schenken – Der gedeckte Tisch als Spiegel von Wertschätzung

„Es dauert gleich lang, ob man einen Tisch liebevoll oder lieblos deckt.“ Hildegards Satz erinnert mich daran: Unsere innere Haltung geht immer mit an den Tisch. Es macht einen Unterschied, ob Liebe drin ist – in einem Blick, in einer Begegnung. Nicht, weil alles perfekt sein muss, sondern weil man spürt, ob etwas aufmerksam und von Herzen getan ist.

Liebe als Maßstab – Ist unsere Handlung aufmerksam und von Herzen?

Jeder noch so kurze Moment lädt dazu ein, darauf zu achten, wie wir etwas tun. Ob wir präsent sind. Ob wir wahrnehmen, was uns geschenkt ist. Denn an einem gedeckten Tisch, in einer warmen Geste, in einem Moment der Aufmerksamkeit – da ist Liebe drin. Oder sie könnte drin sein. 

Es dauert ja gleich lang.