Die zwei Gesichter der Medaille
Moderator/in: Gerade schauen viele auf die Sportler und Sportlerinnen bei den Olympischen Spielen. Wer eine Medaille holt - oder gleich mehrere - wird gefeiert und zum Star erklärt.
Aber was ist mit den anderen? Mit denen, die auf der Strecke bleiben und im entscheidenden Moment versagen? Pfarrer Matthias Viertel lässt sich anstecken von der Olympia Begeisterung und betrachtet die beiden Seiten, die jede Medaille hat.
Olympische Emotionen: Wenn Erfolg geteilt wird
Es war bewegend, als die Rodlerin Julia Taubitz die Goldmedaille bekommen hat. Freunde und Familie hatte sie mitgebracht. Weil es ihr wichtig ist, den Erfolg zu teilen - mit denen, die ihr am Herzen liegen. Und dann lächelte Julia Taubitz in die Kamera - so einnehmend und ansteckend.
Freude, Stolz und Leichtigkeit – das Strahlen der Siegerin
Ihre gute Laune überträgt sich. Das ist ein Teil des Geheimnisses der Olympischen Spiele. Diese unbeschwerte Freude, die Probleme vergessen lässt und zeigt, was gerade vielen fehlt: Momente des Glücks, zufrieden sein mit sich selbst, Stolz und ein bisschen Sorglosigkeit.
Die andere Seite: Wenn Träume zerbrechen
Das ist eine Seite der Medaille. Es gibt auch die andere, und die ist genauso wichtig. Während Julia Taubitz jubelte, erlebte eine andere Athletin fast zeitgleich den Abgrund: Die erst 19 Jahre alte Ski-Springerin Pola Beltowska. Sie war zum ersten Mal dabei – im polnischen Team. In der gemischten Staffel. Ihr Sprung misslang. Die Mannschaft schied vorzeitig aus.
Hass im Netz nach Misserfolg – was läuft da falsch?
Was danach kam, ist alles andere als sportlich: Ein Shitstorm brach über sie herein, eine Welle von Hass. Zu der persönlichen Enttäuschung kam noch die Häme. Der polnische Skiverband hat eingegriffen und erklärt: „Es handelt sich um einen persönlichen Angriff, der nicht nur der Sportlerin, sondern auch ihren Angehörigen Leid zufügt“.[i]
Respekt im Sport – was wir alle lernen können
Zwei Schicksale bei Olympia. Sie zeigen, wie eng beide Seiten der Medaille zusammenhängen, im Sport wie im Leben: Hier Applaus und dort Ablehnung. Aber so muss es nicht sein. Ich bin mir sicher: Die Freude über Medaillen wird noch größer, wenn wir respektvoll bleiben – auch für die Athletinnen auf den hinteren Plätzen. Denn diesen Respekt wünsche ich mir auch, wenn meine Leistungen alles andere als olympisch sind – im Sport und im Leben.
[i] www.tagesspiegel.de/sport/ich-werde-von-oben-bis-unten-fertiggemacht-19-jahre-alte-skispringerin-berichtet-von-massiver-hasswelle-nach-olympia-aus-15238678.html