Der Umweg
Neulich bekam ich mal wieder eine Postkarte von meiner Freundin Ursel. Vorne auf der Karte steht geschrieben: „Wenn du es eilig hast, geh langsam. Wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg." Ich musste schmunzeln – und ein bisschen schlucken.
Warum bestimmt Zeitdruck unseren Alltag?
Denn mein Alltag sieht meistens anders aus. Ich hetze von Termin zu Termin, checke beim Warten an der Ampel schon die nächste Nachricht, habe drei Dinge gleichzeitig im Kopf. Zeit sparen, um jeden Preis.
Langsamkeit als scheinbarer Widerspruch
Und dann dieser Spruch, der genau das Gegenteil behauptet: Wer es eilig hat, sollte langsamer werden. Wer es noch eiliger hat, sogar einen Umweg gehen. Das klingt wie ein Widerspruch in sich. Ist es aber nicht.
Was bringt bewusstes Langsamerwerden?
Denn aus Erfahrung weiß ich: Hetze bringt einen selten schneller ans Ziel. Sie macht unkonzentriert, fehleranfällig, manchmal sogar krank. Langsamer werden, gar einen Umweg machen, schafft dagegen Abstand – und mit dem Abstand oft auch mehr Klarheit.
Ein unerwarteter Halt auf dem Weg
Vor kurzem habe ich auf dem Weg zur U-Bahn bei einem Nachbarn angehalten. Er fragte, ob ich ihm kurz helfen könne. Er war gerade dabei, eine große Tonne durch ein relativ kleines Tor zu bugsieren. Sie klemmte irgendwo fest. Gemeinsam schafften wir es.
Wenn eine kurze Begegnung wichtiger wird
Danach plauschten wir noch ein wenig. Obwohl ich genau wusste: Die geplante U-Bahn ist jetzt weg. Macht aber nichts, sagte ich mir. Es fährt ja bald wieder eine.
Ein Umweg kann für beide gut sein
Der Stopp war wichtig für den Nachbarn – und für mich. Mein Halt – oder im übertragenen Sinne der Umweg - gab mir ein gutes Gefühl. Und was zählt da schon eine kleine Verspätung?
Was lässt sich unterwegs entdecken?
Ich nehme mir fest vor: Auch, wenn es zeitlich eng ist, will ich nicht schneller werden, sondern innehalten. Vielleicht bewusst einen Umweg wählen, Halt machen.
Nicht nur auf das Ziel starren
Nicht, weil ich Zeit im Überfluss hätte. Sondern weil ich glaube, dass am Ende das zählt, was ich unterwegs übersehen hätte, wenn ich nur aufs Ziel gestarrt hätte. Danke, liebe Ursel, für die Erinnerung.