Was Menschen auf die Palme bringt … und wieder runter!
Es scheint: Gerade gibt es ganz schön viel, was Menschen auf die Palme bringt. Die Wirtschaft ist unsicher, der Klimawandel macht Angst, dazu Leistungsdruck von allen Seiten und soziale Ungerechtigkeit.
Aktuelle Wut: Wirtschaft, Klima, Politik
Und dann die politische Weltlage, die einem den Schlaf raubt. Kein Wunder, dass viele das Gefühl haben: So kann‘s nicht weitergehen. Da muss was passieren! Manche beschweren sich lautstark. In den sozialen Medien und anderswo: Weg mit der korrupten Elite! Weg mit dem System! Es braucht neue Mächte. Einer soll es richten. Der soll für Ordnung sorgen.
Vor 2000 Jahren: Ähnliche Sehnsucht
Das ist gar nicht so neu. War auch vor gut zweitausend Jahren so. Auch damals gab‘s vieles, was Menschen auf die Palme gebracht hat: hohe Steuern, ständige Unruhen, Armut. Auch damals haben sie gefordert: Das muss anders werden! Und dann … dann kommt einer, auf den alle ihre Hoffnung setzen. Der mächtig ist, der begeistert. Und sie bejubeln ihn wie einen König. Damals – in Jerusalem – an Palmsonntag.
Jesus auf Esel
Palmsonntag. Das war ein Triumphzug. Aber einer der ganz besonderen Art. Jesus zieht in Jerusalem ein – auf einem Esel. Echt jetzt? Das ist ja, als käme Bundeskanzler Friedrich Merz mit dem Klapprad zum Staatsempfang. Geht eigentlich gar nicht. Oder doch? Erstaunlich ist es auf jeden Fall. Bedeutende Herrscher ritten damals auf Schlachtrössern … und Jesus, der Sohn Gottes, kommt auf einem Esel daher? Andererseits: Seine Geburt war ja auch nicht standesgemäß; in einem Stall mit Tieren. Und jetzt: ein Esel für den Mann, auf den so viele ihre Hoffnung setzen?
Hosianna und Palmzweige: Symbolik des Sieges
Am Straßenrand stehen Menschenmassen und jubeln. Sie jauchzen, rufen „Hosianna“ – Gott, hilf uns! Sie breiten ihre Kleider auf dem Weg aus – als Zeichen der Hochachtung – und schwenken begeistert Palmzweige. Darum Palmsonntag!
Palmzweige galten damals als Sinnbild des Lebens – robust und immergrün. Und sie waren ein Zeichen der Ehrerbietung vor einem siegreichen König. Da wird also ein Mann in einem einfachen Gewand gefeiert wie ein Fürst: „Schaut mal: Da ist er!“
Demütiger König
Die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem wurde schon in der frühen Christenheit groß gefeiert; weil sie so voller Symbolik ist. Klar: ein Retter auf einem Esel? Passt aber. Ein Prophet hatte Jahrhunderte vorher vorhergesagt: „Wenn der wahre König nach Jerusalem kommt, dann wird er arm sein und auf einem Esel reiten.“ Und diese Prophezeiung trifft auf die geballte Sehnsucht der Menschen nach einem besseren Leben.
Liebe statt Umsturz
Viele hofften damals auf einen radikalen politischen Umschwung. Weg mit den Römern, die das Land besetzt halten! Weg mit der korrupten Elite! Weg mit der ewigen Unzufriedenheit. Die kann einen ja auch wirklich auf die Palme bringen. Und der da auf dem Esel, der soll es bitte schön richten. Also jubeln die Menschen ihm zu. Begeistert. Doch das Absurde ist: Jesus greift nicht durch. Jedenfalls nicht so, wie erwünscht. Ja, er bringt eine Revolution, aber ganz anders als erwartet.
Musik
Ein radikaler Umschwung, weg mit der ewigen Unzufriedenheit. Wäre klasse! Denn die ständige Unzufriedenheit kann einen ja wirklich auf die Palme bringen – damals wie heute. Übrigens weiß keiner genau, woher die Redewendung kommt: „Jemanden auf die Palme bringen.“ Womöglich hat sie mit einigen Affenarten zu tun, die gerne auf Palmen klettern, wenn sie aufgeregt sind – um von oben in sicherer Entfernung lauthals zu schimpfen [1]. Man könnte sagen: Da wird aus der Distanz gemeckert.
Was brachte die Menschen damals auf die Palme?
Damals in Jerusalem gab es einiges, was die Menschen auf die Palme gebracht hat, was sich ändern sollte. Und viele setzen ihre Hoffnung auf Jesus, den legendären Wanderprediger, der angeblich einer Menge Menschen geholfen hat. Vielleicht hat der ja auch eine Idee, wie’s politisch weitergehen kann. Sie bejubeln ihn wie verrückt.
Hoffnung in Bewegung: Palmzweige und Jubel
Die Aufregung bringt einige sogar wortwörtlich auf die Palme – vor den Stadttoren Jerusalems. Dort klettern sie an den Palmen hoch, brechen Zweige ab, verteilen sie und wedeln damit, als Jesus einreitet. Damit geben sie ihrer Hoffnung Ausdruck: Wenn dieser Jesus wahrhaftig von Gott gesandt ist: Wow – dann hat er die Macht, wirklich was zu verändern! Jetzt wird alles anders!
Innere Veränderung statt Systemwechsel
Allerdings macht Jesus den Menschen bald deutlich: Wenn sich die Gesellschaft ändern soll, dann müssen sich die Menschen ändern. Ein schlechtes System durch ein anderes austauschen, eine Gewaltherrschaft mit Gewalt beenden: Das ist nicht der richtige Ansatz. Stattdessen: Wir müssen anders miteinander umgehen. Mit Respekt, mit Achtsamkeit … ja, mit Liebe. Mit der Liebe Gottes. Weil Menschen, die liebevoll denken und handeln, auch ein liebevolles Miteinander entwickeln. Also: Wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, dann müssen sich die Menschen verändern. Das erzählt Jesus immer und immer wieder in seinen Geschichten.
Vom Jubel zur Wut: Ein Stimmungsumschwung
Kam damals nicht bei allen an. Schon nach wenigen Tage kippt die Stimmung. Die gleichen Leute, die eben noch begeistert Palmzweige geschwungen haben, schreien dann voller Hass: „Kreuzigt ihn!“ Sie sind zurück auf der Palme. Und sie lassen ihre Wut und ihre Enttäuschung an dem Mann aus, der nicht das gebracht hat, was sie sich erhofft hatten.
Musik
Von dem indischen Freiheitskämpfer Mahatma Ghandi stammt der kluge Satz: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir für die Welt wünschst.“ Also, erwarte nicht, dass irgendwer für dich die Verhältnisse ändert. Fang mit dir an. Echte Veränderung bringt nämlich nur der voran, der das, wofür er eintritt, auch selbst lebt.
Die Herausforderung: Reden oder Leben?
Das klingt einfach. Ist es aber nicht. Menschen merken, wer nur redet und wer es wirklich ernst meint. Und es ist ja auch nicht leicht. Klar, viele wollen was fürs Klima tun … aber auf den Urlaub verzichten? Und es sagt sich so leicht: „Wir müssen den Hass überwinden!“ – aber wenn ich mich als Opfer fühle, fange ich ganz schnell an, über andere zu schimpfen. Also: Für etwas sein, ist gut, es auch selbst zu leben, manchmal richtig herausfordernd.
Jesus als Vorbild echter Veränderung
Das Verrückte ist: Jesus lebt tatsächlich das, wofür er eintritt. Er zeigt öffentlich, was er sich für die Welt wünscht. Statt auf einem hohen Ross kommt er auf einem Esel geritten – einem genügsamen Arbeitstier, das damals als Symbol für Bescheidenheit und Gewaltverzicht galt. Allerdings: Die Menschenmenge, die Jubelrufe und die Palmenzweige. Die passen eigentlich gar nicht ins Bild. Warum lässt sich Jesus so feiern? Er hätte ja auch sagen können: „Lasst mal! Hört bitte auf. Das ist unangemessen.“ Hat er aber nicht. Weil es nicht unangemessen war.
Jesus wusste: Er bringt zwar nicht den erhofften Umsturz. Aber er kommt mit einer besonderen Macht: mit der Liebe Gottes. Mit der Weite des Himmels. Mit der Fähigkeit, Menschenleben zu verändern. Menschen inneren Frieden zu geben und Halt. Ihnen neue Hoffnung ins Herz zu legen. Und diese Macht wirkt! Im Lauf der Zeit haben immer mehr Menschen verstanden: Innerer Friede ist die entscheidende Voraussetzung für äußeren Frieden: Wer keinen inneren Frieden hat, wird immer unzufrieden sein – ganz gleich unter welchen Bedingungen er lebt.
Palmsonntag als Einladung: Vom Aufgeregtsein zum Frieden
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir für die Welt wünschst.“ Genau das macht Jesus. Er wünscht sich eine liebevollere, friedlichere, ja auch demütigere Welt. Beim Einzug am Palmsonntag zeigt er, wie das geht. Er steigt herab vom hohen Ross der Erwartungen. So lädt er ein, selbst mutig Veränderungen zu wagen. Sich nicht zum Affen zu machen … und sich auf die Palme bringen zu lassen – was ja immer auch heißt: Ich werde von meiner Wut kontrolliert –, sondern lieber ‘runterzuklettern und der eigenen Sehnsucht nach Frieden nachzugehen. Und vermutlich verschwindet manches Unsicherheitsgefühl, wenn man inneren Frieden findet. Und dann darf man auch mal mit Palmzweigen wedeln.
[1] https://de.wiktionary.org/wiki/jemanden_auf_die_Palme_bringen