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Endlich Ferien!

Endlich Ferien!

Ein Beitrag von Dr. Annette Wiesheu, Darmstadt, Theologische Referentin des Bischofs von Mainz
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Heute ist der erste Tag der Sommerferien in Hessen. Viele Kinder und Jugendliche freuen sich auf sechs Wochen ohne Schule, ohne frühes Aufstehen, ohne Hausaufgaben; auf sechs Wochen mit hoffentlich viel Sonne, Erholung und Entspannung Und viele Erwachsene haben in diesen Ferien auch Urlaub, genießen Zeit für Dinge, die sonst oft zu kurz kommen, für Ausflüge zu Kultur und in die Natur, für Spiel und Sport, für das Zusammensein mit Familie, Freundinnen und Freunden, für neue Erlebnisse.

Ferien sind Festtage

Ferien – das Wort kommt vom lateinischen „feriae“. Und feriae bedeutet: Fest- und Feiertage. Ferien sind in der Tat Festtage; Tage, die anders sind. Sie sind im Jahreslauf das, was in der Woche der Sonntag ist. Der Sonntag, die Ferien – sie unterbrechen den Arbeits- und Schulalltag; sie schaffen einen Freiraum für das Menschsein jenseits von Schule, Arbeit und Geschäftigkeit, Freiraum für einen selbst, Freiraum, um die Beziehungen zu anderen Menschen zu pflegen, vielleicht auch mit Gott.

In unbekannte Länder schnuppern

Für mich gehört zu den Ferien vor allem das Reisen, und das geht sicherlich vielen anderen Menschen auch so; in den Monaten der Corona-Pandemie habe ich es sehr vermisst. Ich liebe es, in unbekannte Städte und Länder hinzuschnuppern, mich anregen zu lassen von der Fremde. Reisen sind immer eine sehr intensive Zeit, jedes Mal komme ich mit neuen Eindrücken zurück und mit dem Gefühl, eine Menge gelernt zu haben. In diesem Jahr freue ich mich auf eine Reise mit meinen Kindern und Neffen nach Italien. Das Zuhause für einige Tage oder Wochen verlassen und an einen anderen Ort fahren – das bedeutet für mich: den Alltag wirklich hinter mir lassen zu können, eine echte eine Auszeit.

Reisen ist anders als Flüchten

Aber ich weiß auch: Ich kann das Reisen genießen, weil ich ein sicheres Zuhause habe. Dorthin kann ich wieder zurückkommen. Eine Reise ist eben nur eine Unterbrechung, sie ist nur ein Ausflug ins Unbekannte, nachher geht der vertraute Alltag weiter. Das unterscheidet die Reise von der Flucht. Wer fliehen muss, ist gezwungen, aufzubrechen ins Ungewisse; wer fliehen muss, lässt unfreiwillig das Vertraute hinter sich, ohne zu wissen, ob es eine Rückkehr oder eine neue Heimat gibt.

Luxus Reisen

Überhaupt ist mir in diesem Jahr sehr bewusst: Ferienzeit, Urlaub, Reisen – all das ist Luxus. Ich denke an die Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten, insbesondere in der Ukraine, gar nicht weit entfernt von uns. Für sie ist ein normaler Alltag in weite Ferne gerückt. An Erholung und Entspannung, an eine Auszeit können sie vermutlich gar nicht denken und ist wahrscheinlich auch nicht die erste Sorge. Und ich habe fast ein bisschen schlechtes Gewissen, dass ich unbeschwert auf Reisen gehen kann.

Auch Gott macht Pause

Ja, Ferien und freie Tage sind ein Privileg und ich bin sehr dankbar dafür. Ich glaube, es ist wichtig, sich solche Zeiten zu gönnen, die den Alltag unterbrechen – um wieder Kraft zu schöpfen für die Herausforderungen des Alltags. Das erste Kapitel der Bibel erzählt davon, wie Gott die Welt schuf. Sechs Tage widmet er dem Werk seiner Schöpfung, doch am siebten Tag nimmt er sich frei; er ruht. Und an anderer Stelle ergeht das Gebot – das Angebot – Gottes an die Menschen: „Am siebten Tage sollst du ruhen. “ Der Sonntag und die Ferien: Gott gönnt sich und uns diese Unterbrechungen des Alltags.

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