Was gibt Halt - Reformationstag
Der 31. Oktober erinnert an den Beginn der Reformation: Am 31.10.1517 veröffentlichte Martin Luther 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche. Die Botschaft der Reformation: Der Mensch wird allein durch Glauben und Gottes Gnade gerecht.
Als Hessen Demokratie übte: 500 Jahre Homberger Synode
Wenige Jahre später, vor genau 500 Jahren, gestalteten engagierte Menschen in Hessen eine andere Gestalt von Kirche, die aus ihrer Sicht dem christlichen Glauben mehr entsprach als das, was in Rom vorgegeben wurde. In Homberg (Efze) trafen sich Menschen, die sonst selten an einem Tisch saßen: Ritter, Pfarrer, Äbte und Bürger. Gemeinsam sollten sie beraten, ob in Hessen künftig evangelisch geglaubt werden soll – und der junge Landgraf Philipp ließ sie mitentscheiden. Es wurde gestritten, widersprochen, argumentiert und manchmal auch gelacht.
Die hr Kirchenredaktion fragt: “Erfindung der Basisdemokratie in Hessen? - Erinnerung an die Homberger Synode von 1526”, zu hören in Camino | hr2-kultur | Sonntag, 18. Oktober, 11:30 Uhr und hr INFO Sonntag, 18. Oktober, 13:05 Uhr. Und jederzeit hier, in ARD Sounds.
Autor Fabian Vogt erzählt in der hr2-Morgenfeier am 25.10.2026 , wie aus diesem Streit ein Experiment wurde, das Demokratie vorwegnahm. Und er fragt, was diese Geschichte heute noch zu sagen hat, wenn es darum geht, Verantwortung nicht allein zu tragen, sondern zu teilen. Hier finden Sie mehr über diese erste hessische Synode.
Was gibt Halt, wenn sich vieles ändert
Vom 25. bis 30. Oktober 2026 geht hr4 jeden Tag dieser Frage nach. Denn vieles verändert sich. Die großen Krisen und Kriege setzen vielen zu, mit schlimmsten Folgen für die unmittelbar Betroffenen. Viele in unserem Land sind mittelbar betroffen, nicht nur durch wirtschaftliche Folgen. Sie fühlen mit, sie helfen und spenden. Aber auch im Nahbereich wandelt sich einiges: Vertraute Läden machen zu, Busse fahren seltener, neue Technologien wie die sogenannte KI haben Vorteile, aber auch Gefahren. Auch in vielen Familien ändert immer wieder einiges – etwa wenn ein erwachsenes Kind wieder Hilfe braucht, eine Krankheit zusetzt. Oder eine neue Partnerschaft den Alltag verändert. Selbst das Wetter und die Tages- und Nachtzeiten ändern sich im Herbst: Die Tage werden kürzer, man muss mit mehr Dunkelheit umgehen.
Vor 500 Jahren suchten Menschen in einer Zeit des Umbruchs nach Halt. Martin Luther stellte Vertrautes infrage, und daraus wurde eine Bewegung, die Kirche und Gesellschaft veränderte. Für manche war das ein Aufbruch, für andere ein Verlust.
Der christliche Glaube nimmt diese Schmerzen nicht einfach weg. Aber er kann begleiten, wenn das Leben unübersichtlich wird. Er erinnert daran: Gottes Nähe hängt nicht davon ab, ob gerade alles geordnet ist. Und gerade dann, wenn Vertrautes fehlt, kann der Glaube Halt geben – und Mut machen, der Zukunft nicht ängstlich, sondern offen zu begegnen.
Zu den täglichen Beiträgen in hr4 vom 25.-30.10. kommt das hr4 Übrigens am 30. Oktober 2026: Autorin Barbara Brüning erzählt aus katholischer Sicht, was ihr das Reformationsfest bedeutet.
Der Mann der starken Worte
Martin Luther hat die deutsche Sprache geprägt, vor allem durch seine Übersetzung der Bibel. Aber auch sonst war er wortgewaltig. So sagte er zum Beispiel: "Ein Schluck Wasser oder Bier vertreibt den Durst, ein Stück Brot den Hunger, Christus vertreibt den Tod." Hier finden Sie diesen Ausspruch und was er bedeutet, sowie andere bemerkenswerte Worte des Reformators.
Warum sich erinnern lohnt
Autor Karl Waldeck feiert die Reformation in seiner hr2 Morgenfeier „Denk ich an Luther - Warum erinnern sich lohnt“
Freude und Zuversicht von Luther lernen
Als junger Mensch war Luther der Verzweiflung nahe. Voller Ängste hoffte er, im Klosterleben Sinn und Heil zu finden. Aber dort fand er keine Lebensfreude. Erst beim intensiven Bibelstudium und durch seine Entdeckung kehrt Lebensfreude zurück: Gott verurteilt ihn nicht, sondern liebt und rechtfertigt Menschen „allein aus Gnade“. Martin Luther und viele andere Reformatoren heirateten und gründeten Familien. Katharina von Bora, seine Frau, empfing mit ihm gerne Gäste und half Bedürftigen. Luther aß und trank gerne und liebte es dabei gerne auch mal deftig. Ein Leben voller Zuversicht und Hoffnung – und das auch in schwierigen, in kriegerischen Zeiten mit vielen Anfeindungen.
Reformationsgottesdienst vor Ort feiern
In vielen evangelischen Kirchen in Ihrer Nähe können Sie mitfeiern bei einem Gottesdienst. Zwei Beispiele: Samstag, 31.10.2026, 18 Uhr in der Christuskirche Mainz mit Kirchenpräsidentin Christiane Tietz. Ebenfalls am Samstag, 31.10.2026 um 19 Uhr in Homberg/Efze mit Bischöfin Beate Hofmann zum Abschluss des Jubiläumsjahres “500 Jahre Homberger Synode”.
Und Halloween?
Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine kirchenkritischen Thesen veröffentlichte, war das der Vorabend des Allerheiligen-Festes. Halloween kommt von „All Hallow‘s Eve“, dem Abend vor Allerheiligen. Gruselige Masken gab es schon damals, um angebliche Geister zu vertreiben. Autor Fabian Vogt meint in seinem hr3 Moment mal: Bei allen Unterschieden berühren sich Reformationsfest und Halloween im Anliegen, Ängste zu überwinden.