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Wie Weihnachten mitten im Juni – Was Christen ihren muslimischen Nachbarn zum Zuckerfest wünschen können
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Wie Weihnachten mitten im Juni – Was Christen ihren muslimischen Nachbarn zum Zuckerfest wünschen können

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Für einige Kinder in Hessen ist heute wie Weihnachten. Nämlich für die Kinder aus muslimischen Familien. Seit gestern feiern sie das Ende des Fastenmonats Ramadan. Vier Wochen lang haben viele erwachsene Muslime tagsüber von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts gegessen und nichts getrunken. Das ist in dieser Jahreszeit besonders hart. Die Sonne geht schon kurz nach 5 Uhr früh auf und erst nach 21 Uhr unter. Bei den hochsommerlichen Temperaturen, die wir schon hatten, ist es eine besondere Herausforderung, nichts zu trinken. Darum sind im Islam Kinder vom Fasten ausgenommen, ebenso Schwangere, Mütter, die stillen, Alte, Kranke und Reisende.
Aber jetzt ist der Fastenmonat Ramadan vorbei. Heute wird gefeiert. Da gibt es in den Familien und in den Moscheegemeinden große Festessen. Die Kinder bekommen Geschenke. Eben wie Weihnachten mitten im Juni. Wegen der vielen Süßigkeiten, die es heute gibt, heißt es auch Zuckerfest.
Was geht es mich als Christen an, wenn Muslime Ramadan-Fest feiern? Nun, in der Bibel steht: Liebe deinen Nächsten. Der Nächste ist eben auch der muslimische Nachbar. Lieben meint an erster Stelle, dass ich mich dafür interessiere, wie es dem anderen geht. Ob er meine Hilfe braucht, aber auch, ob er gerade etwas zu feiern hat.
Außerdem kennen Christen genauso wie Muslime das Fasten. Bei Christen ist es die Passionszeit vor Ostern, in der viele sieben Wochen lang auf etwas verzichten – zum Beispiel auf Fleisch, Süßigkeiten oder Alkohol. Zum Fasten gehören Disziplin und Geduld. Wenn man etwas weglässt, macht man sich bewusst, wie viel man sonst hat. Das macht sensibel dafür, mit wie wenig andere Menschen auskommen müssen. Und der Verzicht hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren – auf das, was mir wichtig und heilig ist. Diese Erfahrung haben Christen und Muslime gemeinsam.
Viele christliche Gemeinden schicken ihren muslimischen Nachbarn Segenswünsche zum Ramadan-Fest. Und muslimische Gemeinden laden ihre christlichen Nachbarn zum Festessen ein.
Was kann man Muslimen zum Ende des Ramadan wünschen? Ganz einfach: Gesegnetes Fest!

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