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Wie können wir mehr Gerechtigkeit erreichen? Vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren
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Wie können wir mehr Gerechtigkeit erreichen? Vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren

Guido Hepke
Ein Beitrag von

Guido Hepke,

Evangelischer Pfarrer, Weilburg

Für die einen ist Karl Marx der Wegbereiter einer neuen Epoche. Andere halten ihn für einen der größten Verbrecher der Weltgeschichte. Heute vor 200 Jahren wurde er in Trier geboren. Karl Marx war ein großer Kritiker jeglicher Religion. Doch Zeit seines Lebens kreiste das Denken dieses Philosophen um ein Thema, das auch für Juden und Christen wichtig ist: Gerechtigkeit.
Sein Vater war Rechtsanwalt in der Moselstadt. Karl Marx wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. Für die Familie war klar: Der Junge muss studieren. Vor 200 Jahren war das noch ein Privileg der Begüterten.
Trotzdem setzt sich der junge Student mit den gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit auseinander. In Berlin erlebt er, wie die Grundrechte vom preußischen Staat immer weiter eingeschränkt werden: Journalisten werden verhaftet, friedliche Versammlungen auseinander geknüppelt. Es ist gefährlich, eine eigene Meinung zu haben.
Marx wird Zeitzeuge einer rasanten technischen und wirtschaftlichen Entwicklung. Doch davon profitieren nur wenige. Immer mehr Menschen verelenden. Soziale Sicherungssysteme gibt es noch nicht. Wer nicht mehr arbeiten kann, wird aussortiert. Wer den Mund aufmacht, ebenfalls. Arbeitskraft ist billig. Der Einzelne zählt nichts.
Vor diesem Hintergrund verfasst Karl Marx seine großen Schriften: Proletarier aller Länder, vereinigt euch! – Ursprünglich war das „Kommunistische Manifest“ ein Aufruf zur Bildung von Gewerkschaften. Die sind bei uns heute selbstverständlich. Damals waren sie noch verboten.
Als einer der ersten beschreibt der Philosoph die wirtschaftlichen Hintergründe für die Krise seiner Zeit: Ein schrankenloser Kapitalismus sorgt dafür, dass die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter auseinander geht. In dem Buch „Das Kapital“ stellt Marx seine Grundthese auf: Irgendwann wird der soziale Druck so stark sein, dass der Kessel explodiert – und das kapitalistische System hinweggefegt wird. Dann kann mit dem Kommunismus ein goldenes Zeitalter anbrechen. Dann wird es endlich gerecht und friedlich zugehen.
Kommunistische Revolutionen hat es später tatsächlich gegeben – in Russland oder China. Dies hat der Welt weder Frieden noch Gerechtigkeit gebracht.
Trotz der dunklen Geschichte des Kommunismus möchte ich von Marx etwas lernen, und zwar genau hinzuschauen: Was passiert bei uns und anderswo? Wie können wir mehr Gerechtigkeit erreichen?
Es ist Konsens in demokratischen Staaten: Soziale Teilhabe ist notwendig. Es braucht einen Ausgleich zwischen Reich und Arm.
Die Geschichte der Bundesrepublik zeigt: Das geht auch ohne Revolution oder eine Diktatur des Proletariats. Wir haben viel erreicht: Es gibt soziale Sicherungssysteme und Arbeitsschutzbestimmungen, betriebliche Mitbestimmung. Vieles ist für andere Teile der Welt vorbildlich.
Trotzdem öffnet sich auch bei uns wieder die Schere zwischen Arm und Reich. Auf lange Sicht wird das den sozialen Frieden gefährden.
Also ist es notwendig, sich einzusetzen für mehr Gerechtigkeit. Mir macht ein Satz aus der Bergpredigt Mut. Jesus sagt: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit, den sie sollen satt werden.“ (Mt. 5,6)

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