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Wenn der Mensch in Ordnung ist, ist es auch die Welt
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Wenn der Mensch in Ordnung ist, ist es auch die Welt

Christoph Hartmann
Ein Beitrag von

Christoph Hartmann,

Lehrer und Referent für Schulpastoral, Fulda
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Drei Wochen sind vergangen! Weihnachten – Schnee von gestern. Was möglicherweise noch nachklingt sind Dinge wie das „Fest der Liebe“ oder „Friede auf Erden“. Mir stellt sich dabei die Frage, was von all dem, was gerade noch gefeiert und bejubelt wurde, übrig geblieben ist? Welche Weihnachtsmelodie klingt da noch im Ohr? Und einen Schritt weitergedacht: Wie lässt sich diese Botschaft in den Alltag des neuen Jahres retten? Für mich ist das Zauberwort „Beziehung“. Der Mensch lebt in Beziehungen. Manche freiwillig und manche eher gegeben. Manche Beziehungen tun gut, andere wiederum machen das Leben schwer. Unterm Strich hat und wünscht sich jeder gute Beziehungen. Der erste Ort, an dem die meisten Menschen diese Beziehungen erleben, ist die Familie! Im Idealfall mach Familie stark und gibt Mut. Sie lässt Liebe und Geborgenheit erfahrbar werden. Trotz so manchen Zwists in der Familie, bleibt Familie der vornehmste Ort, um liebevolle, wertschätzende, eben gute Beziehungen zu erleben. Derartige gute Beziehungen fallen nicht vom Himmel. Es ist unbedingt wichtig, Beziehungen zu hegen und zu pflegen. Aber: keine Panik – es gibt zahlreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet. Und die zeigen uns: Der Mensch braucht Beziehungen und sie sind möglich! Ein wunderbarer Beziehungsratgeber ist für mich die Bibel! Dort wird Gott erfahrbar. Christen sind davon überzeugt, dass Gott in sich Beziehung ist! Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist sind in sich Liebesbeziehung, so der christliche Glaube. Mit dem Neuen Testament der Bibel lädt Jesus die Menschen dazu ein, diese Liebesbeziehung zu entdecken. Mich verwundert es daher nicht, dass gerade das dreifache Liebesgebot im Ranking der Gebote an erster Stelle steht. Da heißt es für Christen unmissverständlich: Du sollst Gott lieben aus ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. Dieses Miteinander von Mitmensch, Gott und mir selbst ist das Beziehungsgeflecht, in dem JEDER Mensch nach biblischer Überzeugung lebt. Diese gelebte dreifache Liebesbeziehung verlangt förmlich nach einem Fest!  Dem Fest der Liebe! Und genau das feiern Christen an Weihnachten!

Werfen wir einen Blick auf die Beziehung des Menschen zu sich selbst. Wenn der Mensch sich ehrlich den Spiegel vorhält, entdeckt er möglicherweise Dinge, die er an sich nicht mag. Ich denke da an Eitelkeiten, chronische Aufschieberittis im Umgang mit zu erledigenden Aufgaben oder schlicht arrogantes Verhalten.  Neben diesen „menschlichen Schönheitsfehlern“ gibt es beim Blick in den Spiegel aber auch positive Seiten zu entdecken: Ich habe einen freundlichen Charakter. Ich habe Talente, Fähigkeiten. Doch Hand aufs Herz. Das ehrliche Hinschauen kostet immer wieder Kraft und Mut, zumindest mich. Was mich dabei tröstet ist die Gewissheit, dass Gott ohne Wenn und Aber sein Ja zu mir gesprochen hat. Diese Gewissheit ermutigt mich dazu, an meinen „Schönheitsfehlern“ zu arbeiten und mit mir selbst ins Reine zu kommen. Um das bewerkstelligen zu können, braucht es neben Mut: Disziplin. Damit kann ich an den Dingen weiter verfeinern, die mich in der Beziehung zu mir selbst und in meinem Menschsein behindern. Als unterstützendes Hilfsmittel habe ich gute Erfahrungen gemacht, mit etwas, das ich einmal „geistlicher Trainingsplan“ nennen möchte. Und das heißt: Jeden Monat notiere ich meine Vorsätze, an denen ich dran bleiben möchte, um sie abendlich abzuhaken. Ausgangspunkt dabei ist für mich immer die Frage nach dem, was mir gut tut. Sei es ein Kaffee nachdem die Kinder am Morgen das Haus verlassen haben, die zehnminütige Lektüre eines schönen Buches oder eine Zeit des Gebetes. Sich so zu beobachten und dann auch passend zu reagieren – dazu gehört ein hohes Maß an Disziplin! Am Ende zählt das Bemühen und die Erkenntnis, dass ich auch als erwachsener Mensch in meiner Beziehung zu mir selbst wachsen darf.  Deshalb bin ich überzeugt: An seinen Vorsätzen dranzubleiben, lohnt sich!Die angesprochene Beziehung zu mir selbst ist die Grundlage dafür, dass ich gute Beziehungen zu meinem Nächsten leben kann. In der Begegnung mit Ehepaaren wird mir dies immer wieder bewusst. Es zwei Dinge sind, die zwischenmenschliche Beziehungen gelingen lassen: Barmherzigkeit und Zeit miteinander verbringen. Die Bedeutung von Barmherzigkeit steckt für mich in dem wunderbaren Satz:  Was du von anderen erwartest, das tue auch ihnen! Nicht nur, dass das Matthäusevangelium diese Aussage als goldene Regel benennt. Nein, es ist für jede Beziehung überlebenswichtig. Wenn ich also von anderen erwarte, dass sie mich freundlich behandeln, stellt sich unweigerlich die Frage nach meiner Freundlichkeit gegenüber den Mitmenschen. Nicht weniger wichtig als ein barmherziger Umgang mit den Mitmenschen ist das Anliegen miteinander Zeit zu verbringen. Damit sich eine positive Beziehung zwischen Menschen entfalten kann, braucht es Freiräume. Dabei ist es nicht untypisch, dass ich mir diese Räume oftmals mühselig erkämpfen muss. Hilfreich dabei ist es, einen Termin für ein Gespräch mit meinem Ehepartner oder einem Freund in den Kalender einzutragen. Nicht immer kommt so ein Gespräch auch in Gang. Aber es gibt Hilfe: Meine Frau und ich beginnen unsere Gespräche zumeist mit den Herausforderungen des Tages und dem, was gelungen ist. Sich bei solch einem Gespräch zuzuhören und ausreden zu lassen, ist dabei selbstverständlich. Genau so selbstverständlich, wie hin und wieder eine Pause zuzulassen.

Mein Verhältnis zu mir selbst, mein Verhältnis zu meinen Mitmenschen - die dritte Komponente für eine Welt, in der alles in Ordnung ist, ist für mich als Christ die Beziehung zu Gott. Der ist für mich die Quelle aller Liebe, Hoffnung und allen Lebens. Wie in jeder menschlichen Beziehung geht es auch in dieser natürlichsten Beziehung zu meinem Schöpfer nicht ohne Kontinuität. Damit dies gelingt, halte ich zwei Aspekte für besonders wichtig: hören und sehen! Um Gott hören zu können, muss ich in die Stille gehen. Das ist nicht gerade einfach in der heutigen Zeit. Aber gerade aus der heutigen Hektik des Alltags heraus erwächst immer stärker das Verlangen nach Orten der Stille. Wenn der Mensch in die Stille geht, begegnet er zuerst einmal seinem eigenen Lärm. Erst wenn dieser Lärm verstummt, kann der Mensch die Stimme Gottes hören. Wie so etwas gehen kann, zeigt eine Passage aus der Bibel, die heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist. Sie handelt von einem jungen Mann namens Samuel. Auch Samuel muss erst die Stimmen sortieren und das richtige Hören lernen, um schließlich die Stimme Gottes erkennen zu können.  Denn während der Stille der Nacht vernimmt Samuel einen Ruf. Wie selbstverständlich geht er zu seinem Lehrer, dem Hohenpriester Eli.  Dieser hat ihn jedoch nicht gerufen und schickt ihn zurück in sein Bett. Erst nach dem dritten Mal erkennt Eli, dass es Gott der Herr selbst ist, der Samuel ruft. Beim vierten Mal antwortet daher Samuel schließlich: Rede Herr, dein Diener hört. Soviel zum Hörenwollen und Hörenkönnen. Genauso wichtig wie der Aspekt des Hörens ist das Sehen. Auch dazu ein Beispiel: Die ersten Jünger wollen von Jesus wissen, wo er wohnt! Jesus sagt ihnen im Johannesevangelium die einfachen Worte: Kommt und seht! Jesus will, dass sie ihn besser kennenlernen. Auch heute lädt er uns Menschen ein ihm zu begegnen. Dazu müssen wir die Augen öffnen: für Orte an denen Glauben erfahrbar wird; für Lebendige Gemeinden, Orte, an denen Menschen aus dem Gebet leben;  für Einrichtungen, die dabei helfen Leben gelingen zu lassen  und dafür, dass Gott der einzige ist, der zu uns Menschen bedingungslos sein Ja spricht.

Dieser Gott, möchte alle Menschen teilhaben lassen an seiner überfließenden Liebe, aus der heraus Beziehungen besser gelingen. Und wenn es tatsächlich gelingt, Beziehungen unter den drei benannten Aspekten zu leben, dann trägt die Weihnachtsbotschaft durch das ganze Jahr. Und an jedem Tag ist Weihnachten."

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