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VIP-Tickets für den Himmel – Wie Jesus mit Posten-Schachern umgeht
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VIP-Tickets für den Himmel – Wie Jesus mit Posten-Schachern umgeht

Michael Tönges-Braungart
Ein Beitrag von

Michael Tönges-Braungart,

Dekan, Evangelisches Dekanat Hochtaunus

Mich ärgert es, wenn sich Spitzenpolitiker in Spitzenjobs in der Wirtschaft verabschieden. Oder wenn sich Politiker um Ministerämter streiten. Die wollen sich doch nur ihre Posten sichern, sagen dann viele.
Wahrscheinlich hat Jesus auch mit den Augen gerollt, als einmal eine Frau mit einer ungewöhnlichen Bitte zu ihm kam. Zwei ihrer Söhne gehören zu den Jüngern von Jesus. Die Mutter bittet ihn: „Lass meine Söhne im Himmel zu deiner Rechten und zu deiner Linken sitzen!“ Sie will Ehrenplätze für ihre Jungs; Ehrenplätze im Himmel. Ob die Söhne sie nun vorgeschickt haben oder sie selber die Initiative ergriffen hat, wird nicht erzählt. Ich kann mir vorstellen, dass Jesus bei dieser Bitte mit den Augen gerollt hat. Auf jeden Fall weigert er sich, VIP-Tickets für den Himmel zu vergeben. Und er erklärt der Mutter auch, warum.
Jesus sagt: Es kann doch unter meinen Jüngern nicht darauf ankommen, wer die besten Plätze hat; wer oben steht und wer unten; wer Chef ist und wer Untergebener. Und völlig lächerlich wird es, wenn es um Ehrenplätze im Himmel geht. Jesus sagt weiter: Unter euch kommt’s doch darauf an, dass ihr füreinander da seid. Dass nicht einer über den anderen herrschen will. Sondern dass ihr gemeinsam unterwegs seid und eure Aufgaben erfüllt.
Jesus weiß, dass das in der Welt oft nicht so ist. Da geht es oft um Macht und Herrschaft der einen über die anderen. Aber unter seinen Jüngern soll es anders sein.
Ja, wenn’s so einfach wäre. Dem lange verstorbenen evangelischen Bischof Hanns Lilje wird der Satz zugeschrieben: In der Kirche wollen alle dienen, möglichst in leitender Position. Nicht ohne Ironie, wenn ein Mensch in leitender Position das sagt.
Jesus hat sich nicht über andere mokiert, die um die besseren Positionen rangeln. Er hat von sich selber gesprochen und davon, wie er sich und seinen Auftrag versteht. Er sagt von sich: „Ich bin nicht gekommen, dass ich mir dienen lasse, sondern dass ich diene und mein Leben gebe zu einer Erlösung für viele.“ (Matthäus 20,28)
Ich höre das so: Ihr müsst euch euren Platz im Himmel nicht verdienen – das habe ich längst für euch getan. Ihr müsst nicht ständig in Konkurrenz miteinander treten; ihr müsst euch nicht immer darum sorgen, dass ihr genug Anerkennung bekommt, dass ihr im Vergleich zu anderen nicht schlecht wegkommt, dass ihr zu den Gewinnern gehört. Das habt ihr nicht nötig. Ihr alle habt schon längst Ehrenplätze bei mir. Die müsst ihr euch nicht verdienen. Die sind für euch frei. Und da gibt es keine besseren und keine schlechteren Plätze, kein Oben und kein Unten.
Deshalb könnt ihr es euch leisten, füreinander und für andere da zu sein mit euren Begabungen und euren Stärken. Mit eurer Lebenserfahrung und Berufserfahrung. Mit allem, was euch zugefallen ist an Glück – und auch mit dem, was ihr euch hart erarbeitet habt. Ihr könnt es euch leisten, anderen zu dienen. Weil ihr euch bei mir nichts verdienen müsst.
Wir leben ja heute in einer Dienstleistungsgesellschaft. Meistens denke ich bei dem Wort daran, was andere für mich tun, welche Dienstleistungen ich in Anspruch nehme, wenn ich essen gehe, Post bekomme oder den Computer hochfahre. Von Jesus her verstehe ich den Begriff Dienstleistungsgesellschaft mal andersherum und frage: Womit kann ich dienen?"

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