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Verzicht
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Verzicht

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt

Es ist nach wie vor ein Wort, das wir nicht so gerne gehören: das Wort Verzicht. Es klingt nach Fastenzeit, Süßigkeiten-Abstinenz oder Alkoholverbot, jedenfalls nach wenig Freude und Freiheit. Und trotzdem hab ich das Wort Verzicht in letzter Zeit öfter mal gehört und gelesen, und zwar außerhalb der Fastenzeit und sogar außerhalb der Religion. Ein Zukunftsforscher hat es vor kurzem bei einem Vortrag oft in den Mund genommen: „Es geht nicht ohne Verzicht“, hat er gesagt. Und dann stand das Wort auch ein paar Mal in einem Artikel meines Wandermagazins. Die Überschrift dazu lautete: „Das bessere Leben“. Und damit war klar: Es geht beim Verzicht heute nicht mehr um traurige Gesichter und Schlechtfühlen. Wer verzichtet, der tut es vielleicht sogar, um sich am Ende besser zu fühlen.

Dass der Verzicht heute fast ein bisschen in Mode kommt – das hat natürlich mit den drängenden Fragen der Zukunft zu tun. Wie wird sich die Welt entwickeln, wenn wir Menschen - vor allem in Mitteleuropa - ohne jeden Verzicht einfach so weiterleben wie bisher? Weiter so essen, konsumieren, unterwegs sind wie bisher? Der Zukunftsforscher sagt ziemlich klar: Dann sind es düster aus für diese Welt und ihr Klima. Es klingt vielleicht ein bisschen pathetisch aber: Wer die Welt retten will, der muss auf einiges verzichten: auf das viele Autofahren zum Beispiel und auf das viele Fleischessen.

Der Artikel in meinem Wandermagazin sagt: Klar, tut das weh. Aber es kann trotzdem Spaß machen und vor allem: ein gutes Gefühl geben. Deswegen nämlich, weil Verzicht heißt: Ich konzentriere mich aufs Wesentliche. Ich lasse Dinge weg, die ich eigentlich nicht brauche, sondern die Luxus sind. Und im Verzicht zeigt sich auch Stärke: Ich brauche das nicht, ich kann ohne. Auch den Respekt von anderen Leuten kann ich dadurch gewinnen. Und nicht zuletzt: ein besseres Gewissen. Wenn ich sagen kann: für die Zukunft, für die kommenden Generationen hab ich auf manches verzichtet – dann, finde ich, gibt das wirklich ein gutes Gefühl. Es klingt paradox, aber es stimmt: Verzicht macht mein Leben nicht ärmer, sondern reicher.

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