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Urlaub machen, wo Flüchtlinge stranden? Helfen und Genießen
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Urlaub machen, wo Flüchtlinge stranden? Helfen und Genießen

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt
  • Wenn die Tage kurz und kalt sind – so wie jetzt, dann träumen sich viele in den Urlaub. Sommer, Sonne, Strand – das sind herrliche Aussichten – gerade jetzt! Wie wäre es mit Griechenland? Die Inseln Kos oder Samos oder Lesbos – sie alle klingen nach blauem Himmel, weißen Stränden – und nach Flüchtlingen.

Kann man dort Urlaub machen? Der Kopf sagt: Ja. Die Griechen leben davon, dass Touristen kommen. Bleiben die Urlauber aus, dann können die Griechen auch den Flüchtlingen nicht mehr helfen. Wegbleiben hilft niemandem, im Gegenteil, es macht alles nur noch schlimmer.
Andererseits: Urlaub machen direkt auf der Flüchtlingsroute – ist das nicht zynisch? Als Tourist genieße ich dort die Sonne, bestelle mir vielleicht einen eisgekühlten Cocktail – und in Sichtweite kämpfen Flüchtlinge um ihr Leben, freuen sich über eine Wasserflasche aus Plastik, die ihnen jemand spendet.
Das geschieht allerdings auch, wenn ich woanders Urlaub mache. Egal wohin ich fahre: Immer und überall weiß ich, was auf Kos und Co. geschieht. Woanders muss ich es nur nicht sehen. Und das macht den Unterschied. Das ist uns Menschen eigen: Was wir nicht direkt erleben, können wir wunderbar verdrängen. Nicht nur im Urlaub, sondern auch zu Hause im Alltag. Natürlich weiß ich um das Leiden vieler Menschen. Dennoch versuche ich meine Tage zu genießen. Nicht, dass mir das Elend anderer egal wäre. Aber es hilft niemandem, wenn es mir deshalb auch schlecht geht. Im Gegenteil: Dann wäre nur noch einer mehr unglücklich.
Für den Urlaub gilt das noch mehr: Er soll eine unbeschwerte Zeit sein. Dazu passen Kriegsflüchtlinge einfach nicht. Oder etwa doch?
Es geht auch anders. Ich habe einen Urlauber getroffen – ich nenne ihn Patrick. Der hatte eigentlich einen ganz normalen, unbeschwerten Urlaub auf der Insel Kos gebucht. Aber als er dort ankam, waren da die vielen Flüchtlinge. Seinen Urlaub sah er plötzlich mit ganz anderen Augen. Patrick prüfte die Spielräume seiner Reisekasse. Dann kaufte er jeden Tag Lebensmittel ein. Die verteilte er an die Flüchtlinge. Er verbrachte einige Zeit bei ihnen, hörte ihnen zu. Dann ging er in sein Hotel oder an den Strand. Und konnte es genießen. Es war ein anderer Genuss als gedacht. Ein Genuss im Angesicht des Ernstfalls. Patrick erlebte nicht nur die Schönheit der Insel Kos, sondern auch die Schönheit des Helfens.
Was darf ich mir gönnen im Angesicht des Elends auf dieser Welt? Diese Frage hat auch Jesus beschäftigt. Tag für Tag kümmert er sich um Kranke und Ausgegrenzte. Einmal ist er zu Gast in einem Haus. Dort möchte ihm eine Frau etwas Gutes tun. Sie massiert ihm den Kopf mit einem teuren Öl. Das stört einige. Sie klagen: „Das kostbare Öl! Das hätte man doch verkaufen können. Mit dem Geld hätte man armen Leuten helfen können!“ Doch Jesus nimmt die Frau in Schutz: Helfen kann man immer. Damit wird man nie fertig. Deshalb braucht man Pausen. Pausen – wie auch den Urlaub.
Beides hat seine Zeit. Genießen und Helfen. Wer nur eines von beidem tut, nimmt sich etwas Wichtiges. Patrick auf Kos macht es prima. Er lebt beides: Helfen und Genießen."

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