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Unerhörte Gebete – Was man sich nicht gewünscht hat, ist manchmal das größte Geschenk
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Unerhörte Gebete – Was man sich nicht gewünscht hat, ist manchmal das größte Geschenk

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

„Ich danke Gott manchmal, dass er meine Gebete nicht erhört hat“, sagt Daniel und lächelt. Sein Traummann war immer ein starker Typ. Einer, der souverän auftritt, der im Anzug eine ebenso gute Figur macht wie in Jogginghose. „Ach Gott, so einer wär’s!“, dachte Daniel. Er hat inständig gehofft und gebetet, dass ihm so ein Mann eines Tages begegnet.
Gefunden hat er Johannes. Der entspricht gar nicht seinem Ideal. Kein smarter Typ, eher knuddelig. Johannes hat mit der Zeit einen Bauch angesetzt, und die Haare gehen ihm aus. Die beiden sind seit 26 Jahren zusammen, und Daniel sagt: „Ich danke Gott, dass er meine Gebete vom Traummann nicht erhört hat.“
Denn er liebt, dass Johannes so laut lachen kann, dass der ganze Raum wackelt. Er liebt die sprühende Herzlichkeit von Johannes und seine Einfälle, die die beiden ständig auf Trab halten. Daniel sagt zu Johannes: „Du kannst manchmal verdammt anstrengend sein. Ich lag schon Nächte lang wach neben dir und habe dich gehasst. Aber dann streiten wir. Dann knallt’s, und dann ist es wieder gut. Mit keinem anderen kann ich das so wie mit dir.“
Ich bewundere die beiden. Und ich freue mich für alle Paare, die ehrlich miteinander umgehen können. Nein, du bist nicht mein Traummann, du bist nicht meine Traumfrau. Und wir leben auch nicht immer in perfekter Harmonie zusammen. Es muss nicht alles in meinem Leben so gehen, wie ich mir das erhofft habe. Es gibt unerfüllte Wünsche und unerhörte Gebete. Manchmal erkenne ich im Rückblick: Gott sei Dank, dass es anders gekommen ist, als ich es mir gewünscht habe! Denn ich liebe dich und danke Gott, dass wir uns gefunden haben.

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