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Tränen der Trauer
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Tränen der Trauer

Clemens Weißenberger
Ein Beitrag von

Clemens Weißenberger,

Katholischer Pastoralreferent, Frankfurt

Mein Onkel ist gestorben. Und im Spätherbst war die Beerdigung. Im Trauergottesdienst für ihn kamen die Familie und auch viele Freunde und Bekannte zusammen. Viele haben geweint, alle die da waren kannten ihn ja. Und wir erinnerten uns nochmal an meinen Onkel und beteten. Aber kaum waren wir aber aus der Kirche draußen, da hat einer der Enkel gesagt, gerade mal sieben Jahre alt: „Gell, wir spielen dann gleich wieder Fußball!“ Eigentlich eine gute Idee, Fußball zu spielen, wenn es halt nicht gerade Opas Beerdigung wäre.

Ich musste lächeln, trotz der Tränen. Kaum raus aus der Kirche und schon hat er ans Fußballspielen gedacht. Und ich habe nachgedacht. Klar, der Junge war auch traurig, weil sein Opa jetzt tot ist. Das war auch zu sehen: Während der Beerdigung war er ganz traurig und still. Er dachte wohl daran: Opa bleibt für immer tot. Aber trotzdem: Auch, wenn er noch ein paar Tränen in den Augen hatte, er dachte schon ans Fußballspielen mit uns.

Ich habe manchmal den Eindruck: Uns Erwachsenen gelingt das nicht so leicht wie Kindern: trauern und zugleich auch: weitergehen, weiterspielen. Ich wünschte mir das manchmal. Klar haben Trauer ihre Berechtigung, die Tränen und der Schmerz, wenn jemand tot ist. Aber unser Leben geht ja doch weiter, das zeigte mir der Junge.

Wir leben ja auch weiter, trotz aller Trauer. Ich finde: Es ist wichtig, nächste Schritte zu gehen, wieder ins Leben zurückzufinden.

Mir hilft es in der Trauer und beim Weiterleben, dass ich Gott und seinen guten Geist an meiner Seite weiß. Sicher, es braucht Geduld, so schlimme Situationen wie den Tod eines lieben Menschen zu begreifen und zu verarbeiten, wenn das überhaupt geht. Das braucht Zeit. Erst muss ich weinen, trauern dürfen, dann irgendwann wächst die Einsicht, dass es weitergeht, vielleicht weitergehen muss. Mir als Christ hilft es zu hoffen: Der Tod ist nur ein Abschied auf bestimmte Zeit. Natürlich weiß ich, dass wir alle sterben müssen. Gerade wenn der Tod plötzlich kommt oder sinnlos erscheint, bin auch ich ratlos und traurig. Ich finde dann in meiner Trauer oft auch Trost in der Bibel. Sie macht Mut und erzählt davon, wie es nach der Trauer weitergehen kann, weil es Gott gibt: Da heißt es zum Beispiel: „Denn ich kenne meine Pläne, die ich für dich habe, es sind Pläne des Heils und nicht des Unheils, denn ich will dir eine Zukunft und eine Hoffnung geben.“ (Jer 29,11)

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