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Silas, ein Mann im Schatten – Ein Lob auf die Menschen in der zweiten Reihe
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Silas, ein Mann im Schatten – Ein Lob auf die Menschen in der zweiten Reihe

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt

In Geschichtsbüchern steht meistens nur, was große Männer getan haben. Darüber hat sich der Schriftsteller Bert Brecht lustig gemacht. Spöttisch fragt er: „Als Julius Cäsar Gallien eroberte, hatte er nicht wenigstens einen Koch dabei?“ Natürlich hatte er das – und noch viele mehr. Aber die stehen im Schatten der Geschichte und werden oft übersehen. Dabei würde ohne sie nichts gehen. Denn sie machen die Arbeit.
Viele von ihnen bleiben allerdings gerne im Hintergrund, denn sie mögen das Rampenlicht nicht. Aber etwas brauchen sie doch: Wertschätzung. Jemand soll sehen und würdigen, was sie tun.
Ich will heute einen sichtbar machen, der sonst im Schatten steht. Heute ist nach einer evangelischen Tradition sein Namenstag: Silas. Silas ist ein angesehener Mann mittleren Alters, so erzählt es die Bibel. Silas lebt in Jerusalem, dort gehört er zur ersten christlichen Gemeinde. Sein Leben nimmt eine ganz neue Wendung, als er sich bereit erklärt, den Apostel Paulus zu begleiten. Die beiden gehen auf Missionsreise nach Europa. Dort wollen sie das Christentum verbreiten. Es wird eine Reise voller Höhen und Tiefen. Und gerade in der Tiefe werden der berühmte Paulus und der eher unbekannte Silas zu einem Team auf Augenhöhe. Beide erfahren, wie stark sie ihr Glaube macht.
Dabei ist das Wörtchen Tiefe ganz wörtlich zu nehmen. Denn Silas und Paulus landen tief unten in einem Gefängnis. In der griechischen Stadt Philippi kommen sie den falschen Leuten in die Quere. Die sorgen dafür, dass die beiden eingekerkert werden. Und zwar ganz unten, wo es immer dunkel und feucht ist. Dort hocken sie nun und müssten eigentlich um ihr Leben zittern. Doch das tun sie nicht. Stattdessen fangen sie an zu singen. Sie loben Gott, sie konzentrieren sich auf die Kraftquelle ihres Lebens: Christus. Der macht sie stark. So singen sie sich frei von der Sorge um sich selbst, frei von der Ohnmacht gegenüber den Mächtigen. Mag sie ein Gefängnis umgeben. Sie sind dennoch frei, denn keine Mauer und keine verschlossene Tür kann ihnen das versperren, was für sie zählt: ihre Verbindung zu Christus. Sei es im Leben oder im Sterben. Solus Christus – „nur Christus zählt“ – so wird später der Reformator Martin Luther diese innere Haltung beschreiben.
Die Erde reagiert darauf. Die Bibel berichtet von einem Erdbeben. Es ist, als ließe Gott seine Muskeln spielen, um zu zeigen: „So viel Glaube rührt mich an. Da greife ich ein!“ Und so bröckeln die Mauern, im Gefängnis springen die Türen auf. Paulus und Silas können gehen. Der inneren Freiheit folgt nun die äußere. Diese beiden Freiheiten sind nicht dasselbe, aber sie haben miteinander zu tun. Denn wer die innere Freiheit in sich trägt, der ist ein anderer Mensch. Und das merkt man ihm an. Silas, der Mann hinter Paulus, hat diese Freiheit in seinem Glauben gefunden.
Heute ist sein Namenstag: Silas. Ein guter Anlass, auf die zu schauen, die meist im Hintergrund stehen. Ohne sie, die vielen Silase, ginge es nicht. Vom biblischen Silas kann man lernen: den Glauben als eine innere Haltung, die stark macht, egal wo man ist."

 

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