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Sekundärer Krankheitsgewinn – Manche brauchen eine Portion Unglück zum Glücklich sein
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Sekundärer Krankheitsgewinn – Manche brauchen eine Portion Unglück zum Glücklich sein

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Ein Freund von mir schiebt die Krise. Er sagt: „Ich weiß nicht, ob das der richtige Job für mich ist. Ich glaub’, ich kündige.“ – „Aber du hast doch gerade erst angefangen“, sage ich. „Und neulich warst du noch total begeistert. Ich würde erst kündigen, wenn du was anderes hast.“ „Hm“, sagt mein Freund. Wir wälzen die Argumente hin und her und kommen zu dem Schluss: Er bleibt erst mal in dem Job.
Problem erst mal besprochen, denke ich. Da sagt mein Freund: „Außerdem bin ich total unglücklich verliebt. Aber sie sieht mich einfach nicht. Und mein Vater hat letzte Woche wieder was ganz Blödes zu mir gesagt. Ich verstehe nicht, warum ich in meinem Alter da nicht drüber wegkomme.“ So langsam komm ich mir vor wie auf einem Verschiebebahnhof der Probleme. Auf welches soll ich zuerst eingehen? Und will der andere überhaupt eine Lösung?
„Willst du gesund werden?“, fragt Jesus in der Bibel einmal einen Kranken, der schon ewig darauf wartet, dass ihm jemand hilft. Komische Frage, habe ich früher gedacht. Ist doch klar, dass der Mann gesund werden will! Aber so klar ist das nicht. Man kann sich in seinen Problemen komfortabel einrichten. Sie bringen einem sogar Vorteile: Die anderen bedauern einen. Ärzte nennen das den „sekundären Krankheitsgewinn“. Man bekommt Aufmerksamkeit. Die wäre weg, wenn man keinen Grund mehr hat, warum die andern sich um einen kümmern müssen.
Wie gehe ich als Freund damit um? Mir hat geholfen, ihm zu sagen: „Eigentlich willst du doch gar keine Lösung. Ohne Problem wärst du doch gar nicht richtig glücklich“ Er sagt: „Stimmt. In ‚Drama, Baby, Drama!‘ bin ich ziemlich gut.“ Da müssen wir beide lachen.

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