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Ruhestand – Wie der christliche Glaube die Arbeit und das Leben prägt
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Ruhestand – Wie der christliche Glaube die Arbeit und das Leben prägt

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Sie hat es bald geschafft. Nur noch im Juni muss sie arbeiten. Dann tritt sie in eine neue Phase ihres Lebens ein und geht in den Ruhestand. Sie freut sich und sie schaut zurück.
Die Leiterin einer großen evangelischen Kindertagesstätte sitzt vor mir und erzählt. Ich nenne sie hier mal Susanne Müller. Eine energische fröhliche Frau. Jung geblieben. Sie lacht gern.
Dabei hat sie es nicht einfach. Die KiTa liegt in einem sozialen Brennpunkt in Frankfurt. Von den über 80 Kindern in der KiTa sind nur noch fünf christliche Kinder, die anderen sind in der Mehrheit muslimisch, ein Großteil aus der Türkei und aus Marokko. Dazwischen ein paar afrikanische und asiatische Kinder. Wer hier die Namen der Kinder lernen will, muss sich anstrengen: Biniam und Palwascha, Timur und Yasin, Rom-Tam und Li-Ming. Oder auch ein Yannik.
Die Wohnverhältnisse der Familien der Kinder sind oft nicht einfach: 5 Personen in einer Zweizimmer-Wohnung, wenig Einkommen. Oft haben die Eltern ziemlich andere Vorstellungen von Erziehung und Bildung als Susanne Müller.
Die Leiterin hat das Beste aus der Situation gemacht. Alle Kinder ernst nehmen und auf ihre Situation eingehen. Egal welchen Hintergrund das Kind hat. Ein Team bilden, was gut zusammenarbeitet.
Mich fasziniert, was hier jeden Tag an Völkerverständigung und Integration geleistet wird.
Susanne Müller erzählt auch, was ihre Arbeit geprägt hat: ihr christlicher Glaube. Zum einen hat sie ein gesundes Gottvertrauen. Sie sagt: „Egal, welche Situation auf mich zurollt – aufgebrachte Eltern oder eine fehlende Köchin -, ich habe immer gedacht: Ich schaffe das. Ich bin ja nicht allein. Gott sorgt für mich!“ Und dann hat sie eben auch schon mal die Ärmel umgekrempelt und selbst für 80 Kinder gekocht und dem rechthaberischem Vater zu seinen unmöglichen Forderungen gesagt: „Ich bin hier der Chef.“
Und dann prägt ihr christlicher Glaube auch ihr Menschenbild. Sie sagt: „Ich gehe auf Kinder und auf Eltern und auf die Kollegen im Team zu und weiß: Jeder Mensch ist etwas ganz Besonderes. Er ist von Gott geschaffen und gewollt und hat ganz besondere Gaben.“ Diese positive Einstellung hat Susanne Müller immer wieder geholfen, die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit wahrzunehmen und anzunehmen.
Ihr christlicher Glaube hat sie auch schon privat durch eine Krise getragen und prägt ihre Wünsche für die Zukunft. Sie ist neugierig geblieben. Sie will noch in viele fremde Länder reisen und an der Senioren-Uni Vorlesungen besuchen. Aber vor allem will sie noch mehr in einer Frankfurter Flüchtlingsunterkunft helfen. Dort hat sie sich schon oft mit den Flüchtlingen unterhalten, in ganz einfachen Sätzen, damit sie gut mitkommen.
Nach dem Gespräch habe ich den Eindruck: Ich habe eine Eintrittskarte zu einem starken und natürlichen Glaubensleben bekommen. Das stärkt auch meinen Glauben. Zusammen glaubt es sich leichter.

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