Ihr Suchbegriff
Pflichtjahr für alle? Neugierig machen und motivieren ist der Schlüssel
Bildquelle Pixabay

Pflichtjahr für alle? Neugierig machen und motivieren ist der Schlüssel

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von

Dr. Anke Spory,

Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim

Seit 2011 ist die Wehrpflicht abgeschafft. Nun ist eine neue Debatte darüber entbrannt, ob es für die 18 – 25 Jährigen zukünftig ein allgemeines Pflichtjahr geben sollte, das entweder bei der Bundeswehr oder in einer sozialen Einrichtung absolviert werden kann. Die Meinungen darüber sind geteilt. Sowohl innerhalb der politischen Parteien als auch bei der Bevölkerung. Pfarrerin Anke Spory hat sich entschieden, wie sie dazu steht. Dazu ihr hr1 Zuspruch.

Als Sabine vor zwanzig Jahren Abitur gemacht hat, hatte sie keine Ahnung, was sie beruflich machen wollte. Sie hat sich erstmal für ein Soziales Jahr entschieden. Sie hat in einem Heim für geistig und körperlich behinderte junge Menschen gearbeitet. Das war manchmal hart. Aber sie hat gemerkt, die Arbeit macht mir Spaß! Danach war ihr klar: Sie studiert Heil-und Sonderpädagogik.
Ihr Klassenkamerad Matthias hat Zivildienst geleistet. Friedensarbeit in einem französischen Dominikanerkloster. Bis heute schwärmt er von der Zeit.
Sabine hat ihr Soziales Jahr freiwillig gemacht, Matthias musste sich zwischen Zivildienst und Bundeswehr entscheiden. Den beiden hat diese Zeit geholfen, sich beruflich zu orientieren. Sie haben ihre Stärken erkannt. Und in eine andere Welt geschnuppert,
Gut, dass jetzt darüber gestritten wird, ob ein Dienst für alle jungen Menschen verpflichtend sein sollte. Denn es ist eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft, Menschen zu fördern, zu pflegen oder zu betreuen. Es braucht gute Lösungen. Dass sie oft noch fehlen, merken Angehörige von Pflegebedürftigen oder Eltern, die einen Integrationshelfer für ein Kind suchen.
Ulrich Schneider ist Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Er hat diese Woche gesagt: „Wir brauchen Menschen, die wirklich Bock haben. Die hier eine Erfahrung machen wollen.“ Er lehnt deshalb ein verpflichtendes soziales Jahr ab.
Ich auch. Freiwillig ja. Verpflichtend nein. Gutes Tun kann ich nicht befehlen. Denn es hat was mit Kopf und Herz zu tun.
Mit meinen Konfirmanden gehe ich jedes Jahr in ein Pflegeheim, zur Tafel und in ein Heim für Wohnsitzlose. Dort fragen die Jugendlichen: Was motiviert jemand, dort zu arbeiten? Was waren schlimme Erlebnisse? Was waren gute? Sie blicken über den Tellerrand. Einige Konfirmanden haben anschließend sogar Praktika dort gemacht.
Ganz klar: Der Staat muss bessere Bedingungen schaffen für freiwillige Dienste. Ich glaube: Darüber hinaus sind Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, soziale Verbände und die Kirchen gefragt. Wir können auf einen freiwilligen Dienst neugierig machen!

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren