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Niemand muss an ein Leben nach dem Tod glauben … aber ich tu’s!
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Niemand muss an ein Leben nach dem Tod glauben … aber ich tu’s!

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt

Aufregung in der Religionsbehörde von Preußen: Da gibt es doch tatsächlich einen evangelischen Pfarrer, der glaubt nicht daran, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Folglich glaubt der Pfarrer auch nicht daran, dass die Menschen von den Toten auferstehen werden. Ein Skandal! So sehen das damals die Hüter der Religion. Ein klarer Fall für den Chef. Und das war seinerzeit, als Kirche und Staat noch nicht getrennt waren, der König von Preußen höchstselbst. Deshalb kommen die Hüter der Religion zu König Friedrich und tragen ihm den Fall vor. Natürlich erwarten sie, dass der König hart durchgreifen wird, denn der Pfarrer muss schon glauben, was im Glaubensbekenntnis steht.
Doch König Friedrich reagiert anders. Er sagt: „Wenn der Pfarrer partout nicht auferstehen will, dann soll er in der Auferstehung eben liegen bleiben.“ Die Hüter der Religion schauen verdutzt und ziehen von dannen.
Die Zweifel, die damals der Pfarrer hatte, kennen heute viele. Für sie ist mit dem Tod schlicht alles aus. Dem stimmen in Umfragen etwa zwei Drittel aller Befragten in Deutschland zu. Von den Evangelischen ist es jeder zweite.
Der preußische König Friedrich sagt dazu: „Wer partout nicht auferstehen will, soll in der Auferstehung eben liegen bleiben.“ In Glaubensdingen will König Friedrich keinen Zwang ausüben. Da soll jeder selbst entscheiden, was er glauben will oder kann. Denn jeder hat auch die Folgen selbst zu tragen.
Ich finde diese Reaktion großartig. Denn ihr liegt eine zentrale Einsicht des evangelischen Glaubens zu Grunde: die Freiheit. Glauben ist eine Ermutigung, die man annehmen kann, kein Anforderungskatalog, den man erfüllen muss.
Leider ging diese evangelische Einsicht der Reformation schnell wieder verloren. Glaubensfragen wurden zu einer Frage der politischen Ordnung. Und so begegnete der Glauben vielen Menschen eben nicht mehr als Kraftquelle, die sie zum Leben ermutigte, sondern als eine Vorgabe, die sie zu erfüllen hatten.
Doch niemand kann mich zwingen, an Gott zu glauben. Ich kann glauben, dass Gott mich liebevoll annimmt und mich bestärken will. Wer das nicht glauben mag, kann auf anderen Wegen nach der Kraft zu suchen, die ihn im Leben trägt.
Das gilt auch für die Auferstehung von den Toten. Muss niemand glauben. Ich will das aber glauben. Das gibt mir Hoffnung. Und die wirkt sich nicht erst am Ende meines Lebens aus, sondern schon jetzt. Sie nimmt mir die Angst und macht mich mutig.
Aber was ist mit denen, die das nicht glauben können oder wollen? Bleiben sie am Ende wirklich liegen, wie es König Friedrich sagt? Logisch wäre es schon. Aber womöglich folgt Gott nicht der Logik, sondern seiner Liebe. Das wird man erst wissen, wenn es so weit ist.
Bis dahin geht es mir gut damit, dass ich auf ein Leben nach dem Tod hoffen kann. Und es geht mir gut mit dem Wissen, dass dieser Glaube keine Vorgabe ist, die ich zu erfüllen habe, sondern eine Chance, die Gott mir und vielen anderen bietet. Glauben ist keine Last, sondern eine Lust.

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