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Mit Kaffee und Kuchen gegen Konkurrenz. Damit jeder seine Würde behält. Die Tafeln sind Anstoß für Politik und Gesellschaft, sich nicht mit Armut abzufinden.
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Mit Kaffee und Kuchen gegen Konkurrenz. Damit jeder seine Würde behält. Die Tafeln sind Anstoß für Politik und Gesellschaft, sich nicht mit Armut abzufinden.

Pia Baumann
Ein Beitrag von

Pia Baumann,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt-Bockenheim

Seit Wochen streitet Deutschland darüber, an wen kostenlose Lebensmittel verteilt werden dürfen. Den Anlass gab die Essener Tafel. Dort gab es nicht mehr genug für alle. Es soll zu Handgreiflichkeiten gekommen sein. Der Leiter der Tafel entschied, nur noch Menschen mit deutschem Pass in die Ausgabe aufzunehmen. Jetzt hat sich auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den Streit eingeschaltet. Er sagte sinngemäß: Nicht nur die Tafeln, auch die Politik muss Verantwortung übernehmen und Sorge tragen, dass es nicht zu einer Konkurrenz der Bedürftigen kommt.
Wie das gehen kann, darüber hat sich Pfarrerin Pia Baumann im hr1 Zuspruch Gedanken gemacht. Und eine mögliche Antwort in ihrer Gemeinde gefunden.

„Na, Sie haben ja was vor“, sagt der junge Mann hinter der Kasse des Discounters. Und zieht die 10 Steigen Jogurt über den Scanner. Die Käuferin lacht: „Das ist nicht für mich. Ich kaufe den Jogurt für die Kaffeetafel in unserer Gemeinde. Da kommen am Samstag 150 Menschen, die sind arm und auf Lebensmittelspenden angewiesen.“ Der junge Kassierer sagt „Na, wenn das so ist, dann geht das heute auf mich“, zückt spontan sein Portemonnaie und bezahlt den Jogurt.
Solche Geschichten können viele Mitarbeiter unserer Kaffeetafel erzählen.
Im Winter wird die Kirche zum Café für Menschen, die wenig Geld haben. Unter ihnen Obdachlose, Rentner, Menschen ohne Arbeit. Arme eben. Ehrenamtliche servieren belegte Brötchen, selbstgebackenen Kuchen und Kaffee. Am Ende erhält jeder noch ein Päckchen Lebensmitteln für zuhause.
Die Leiterin der Kaffeetafel sagt: „Hier gibt es keine Massenabfertigung. Die Menschen, die kommen, sind unsere Gäste. Und so behandeln wir sie auch. Wir nehmen uns Zeit, auch für Gespräche. Klar, manchmal gibt es auch Streit. Ums Essen. Wer mehr hat. Oder weniger. Aber dann muss man darüber reden und eine Lösung finden. Es ist ein bisschen wie in einer Familie.“
Als ich sie frage, warum sie das macht, sagt sie: „Glaub mal nicht, dass ich mir so einen Platz im Himmel verdienen will. Ich mach das, weil ich dankbar bin, wie es mir selbst geht. Dankbar auch dafür, dass es viele gibt, die helfen wollen.“
Ich bewundere die Ehrenamtlichen unserer Kaffeetafel. Sie setzten einen uralten christlichen Gedanken in die Tat um. Nämlich: Auch die im Blick zu haben, die am Rand stehen. Die arm sind. Die Zuwendung und Hilfe brauchen. Und sie begegnen jedem mit der Würde, die er oder sie verdient. Damit Konkurrenz erst gar keine Chance hat.
Ich finde, es ist gut, davon zu erzählen. Denn daran können sich alle ein Beispiel nehmen. Nicht nur Kassierer im Discounter, auch Frauen und Männer in der Politik.

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