hr4 ÜBRIGENS
hr4
Zimmermann, Anke

Eine Sendung von
Anke Zimmermann,
Evangelische Pfarrerin, Homberg/Efze

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Zusammen unterwegs

Ich stehe in Stau. Vor dem Kreisel hat sich eine lange Schlange gebildet. Es dauert und ich sehe nach draußen auf den Bürgersteig. Ein junger Mann, vielleicht Mitte zwanzig, und eine alte Frau, bestimmt über 80, sind zusammen unterwegs. 

Begegnung im Alltag zwischen Alt und Jung

Die alte Frau geht leicht nach vorne gebückt mit einem Stock in der Hand. Sie geht sehr, sehr langsam. Und genauso langsam geht auch der junge Mann neben ihr. Er könnte viel schneller gehen, aber er passt sich dem Tempo der alten Frau an. Das beeindruckt mich, weil ich weiß, das ist gar nicht so einfach. 

Warum langsamer gehen echte Stärke zeigt

Extra langsam gehen, fällt zumindest uns Erwachsenen schwer. Kinder können das schon. Und der junge Mann kann es auch. Beim Gehen beugt er sich immer wieder zu der alten Frau hinunter. Dadurch können die beiden miteinander sprechen. Einander zuhören und nachfragen, das geht nur, wenn man im gleichen Tempo unterwegs ist. Sonst versteht man den anderen nicht.

Kommunikation auf Augenhöhe: Wie gemeinsames Tempo echte Gespräche ermöglicht

„Wenn dich einer bittet, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm,“ rät Jesus (Matthäus 5,41). Er weiß, wie gut es ist, einander zu begleiten, auch über das Geforderte hinaus. Extra noch eine Meile weiter mitgehen, extra langsam gehen, das ist praktizierte Nächstenliebe im Alltag.

Was bedeutet „die zweite Meile gehen“ im Leben?

Jesus weiß, wovon er spricht. Er ist in der Regel zu Fuß unterwegs gewesen und dabei hat er viele verschiedene Menschen getroffen. Ich stelle mir vor, wie er sein Tempo an das Tempo seines Gegenübers angepasst hat, damit er gut zuhören konnte. 

Vielleicht waren die Jünger manchmal davon genervt. Sie wollten schneller mit Jesus unterwegs sein. Aber Jesus war bereit, die zweite Meile mitzugehen und ich bin mir sicher, Jesus konnte auch sehr langsam gehen.