Nachhall
Ein Konzert in einer großen Kirche in Marburg: Zu Beginn bitten die Sängerinnen und Sänger das Publikum, nicht sofort zu klatschen. Nach Ende des Liedes soll Zeit bleiben: 8 Sekunden lang - für den Nachhall.
Warum Stille nach der Musik wichtig ist
In der riesigen Kirche mit der tollen Akustik war das ein besonderer Effekt. Die Stimmen der Sänger und Sängerinnen waren auch noch nach dem letzten Ton zu hören. Diese kurze Stille hat den schönen Höreindruck noch für einen Moment bewahrt. Erst dann: tosender Applaus. Die Musik war wundervoll – aber erst im Nachhall ist sie auf besondere Weise in mich eingezogen.
Musik, die in Trauerfarben leuchtet
Dieses Erlebnis ist schon eine Weile her – aber immer mal wieder kommt es mir in den Sinn. Auch: als ein von mir geliebter Mensch gestorben ist. Ich musste ihn aus meinem Leben verabschieden. Da habe ich mich an den stillen Moment nach der Musik erinnert. Wenn das gemeinsame Leben mit einem Menschen zu Ende geht, brauche ich in mir auch eine Stille, in der nachhallen kann, was wir erlebt haben, was uns verbunden hat.
Wie lange hallen geliebte Menschen nach?
8 Sekunden reichen da nicht. Vielleicht 8 Wochen, 8 Monate, 8 Jahre? Ich glaube: Die Spuren von Menschen, die wir geliebt haben, hallen ein Leben lang nach. Wie lange es wehtut, hängt ganz von meinem eigenen Trauerweg ab. Und der ist für jeden Menschen anders.
Zeit für den Nachhall einräumen
Auf meinem Weg hat mir der Gedanke gutgetan: ich räume mir bewusst eine Zeit ein für den Nachhall. In den ersten Tagen: viel Ruhe, die den Alltag anhält für das, was nachklingt. In den ersten Wochen: Zeit zum Erinnern, für Gedanken und Tränen. Und in den Monaten, die folgen: Auch da werde ich mir stille Momente für den Nachhall erlauben - in denen das Leben ausklingen kann - wie ein besonderes Lied.