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hr4 Feiertagsgottesdienst am Pfingstsonntag aus Gelnhausen, Sankt Peter
Foto: Pfarrei St. Peter, Gelnhausen

hr4 Feiertagsgottesdienst am Pfingstsonntag aus Gelnhausen, Sankt Peter

Markus C. Günther
Ein Beitrag von

Markus C. Günther,

Dechant, Gelnhausen

hr4 Feiertagsgottesdienst am Pfingstsonntag, 9. Juni 2019, 10.05 bis 11.00 Uhr
aus der Pfarrkirche "St. Peter" in Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis

Liturgie und Predigt: Dechant Markus C. Günther
Liturgische Mitwirkung: Magdalena Kowalski und Uwe Meyer (Lektorendienst)

Musik:
Kirchenhor "St. Peter" unter der Leitung von Maria Huerkamp-Bölting
Orgel und Kantor: Christian Kling

Predigt:
Wann haben Sie zuletzt eine Sprache erlernt? In der Schule, während des Studiums? Oder später in der Volkshochschule? Auch wer sich mit Sprache lernen schwer tut, weiß: Sprache baut Brücken. Das ist etwas, was besonders die Kirche auszeichnet und sie wahrhaft katholisch erscheinen lässt: Sie ist ein Volk aus vielen Völkern und vielen Sprachen. 
Aber gerade in der Kirche haben wir ein gewaltiges Sprachproblem! Nicht selten etwa sind offizielle Gebete in einer Sprache formuliert, die heute kaum jemand mehr versteht. Dazu die oft einseitige Betonung von Sünde und Schuld, die eher abschreckt als begeistert. Nicht selten wird die kraftvolle Sprache des Evangeliums auf eine überfordernde Ethik verkürzt. Innerkirchliche Grabenkämpfe und die medial aufgeputschten kirchenpolitischen Dauerfloskeln lähmen und verdunkeln unseren eigentlichen Auftrag. Am meisten jedoch macht mir Sorgen, dass wir in unseren Familien und Kirchengemeinden eine eigenartige Sprachlosigkeit an den Tag legen, wenn es um Fragen des Glaubens geht. Haben wir diese Sprache etwas verlernt? Oder vielleicht nie richtig gelernt?
Eine Kirche aus vielen verschiedenen Völkern und Sprachen - Das wird besonders hier in unserer Kirchengemeinde in Gelnhausen deutlich, deren Mitgliederzahl im Vergleich zum letzten Jahr sogar leicht gestiegen ist - dank des Zuzugs und der vielen katholischen Gläubigen mit Migrationshintergrund. Die Universalität unserer Gemeinde wird daher heute in den verschiedenen Sprachen der Fürbitten zum Ausdruck kommen.
In der ersten Lesung hörten wir, der Heilige Geist fuhr wie ein heftiger Sturm auf die erste Christengemeinde in Jerusalem daher. Dieses Ereignis bewahrte sie offenbar davor, sich völlig aufzulösen und ihre Kraft zu verlieren. Als nämlich später dann ein Sturm der Verfolgung über die Christen hereinbrach, wurden sie weit ins Land zerstreut, damit aber zugleich auch die frohe Botschaft, die sie in sich trugen und die sie weitergaben. Könnte man darin nicht eine Art Gleichnis sehen? Wie oft war die Kirche gezwungen, sich aufgrund äußerer Entwicklungen auf ihr Wesentliches zu besinnen! Wie oft waren  es gesellschaftlicher Umbrüche und politischer Stürme, die die Kirche zwangen, Einigkeit zu bewahren und dem Heiligen Geist wieder neuen Raum zu geben! Es war oft der Druck von außen, der uns als Kirche veranlasst hat, uns aus unserer Selbstbezogenheit zu lösen und uns den Menschen zuzuwenden, die uns brauchen! Die derzeitige politische Entwicklung in Europa, die vielen weltweiten Konflikte, die globale Sorge um das Klima - ich bin überzeugt, dass uns in diesen stürmischen Zeiten der Heilige Geist etwas Wichtiges zu sagen hat. Und dass er uns bewegen will, das Frohe der christlichen Botschaft neu in die Welt zu tragen und Gutes und Heilsames zu bewirken.
Die Stadt Gelnhausen hat zum Beispiel in den vergangenen Jahren Hunderte von Migranten aufgenommen. Viele Ehrenamtliche aus verschiedenen Gruppen haben sich ihrer angenommen. Viele Christen unter ihnen fanden durch den gemeinsamen Glauben in unserer Kirchengemeinde Anschluss und Heimat; nicht wenige entdeckten für sich den christlichen Glauben und ließen sich taufen. Ist das nicht ein Zeichen der Zeit? Ich bin überzeugt: Wir dürfen uns in einer pluralen Gesellschaft durchaus  selbstbewusst zeigen als Christen.
In der Apostelgeschichte der Bibel haben wir vorhin gehört: „Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder in seiner Muttersprache hören?“ Dieses Pfingstereignis kann sich auch heute ereignen. Es geschieht dort, wo Menschen sich vorurteilsfrei begegnen, wo sie das Gute im anderen sehen und eine gemeinsame Vision teilen. Auch wenn wir oft genug das Gegenteilige erleben, vor allem befeuert durch den Missbrauch der Sprache in den sozialen Medien: Der Heilige Geist ist am Werk, wo man IHN einlässt. Seine Sprache ist die Sprache der Liebe.
In der Vorbereitung irakischer  Erwachsener zur Taufe durfte ich in diesem Jahr erleben, wie sprachliche Barrieren überwunden werden konnten: Dank einer guten Dolmetscherin ins Arabische. Aber auch Dank einer respektvollen und liebevollen Atmosphäre, in der jeder sich öffnen und über seine Lebenserfahrungen sprechen konnte.
Es ist nie zu spät, die Sprache der Hoffnung und der Liebe zu erlernen. Sehen zu lernen, wie GOTT bereits im eigenen Leben immer schon am Werk war. Und den Mut zu haben, darüber, nämlich über unsere eigenen Erfahrungen, ins Gespräch zu kommen. Dazu gehören auch unsere Zweifel, die da sind. Schaffen wir noch mehr Räume in unseren Gemeinden, wo dies erfahrbar wird. Es ist der HERR, der auch durch verschlossene Türen eintreten kann, der uns seinen Heiligen Geist schenkt und uns Mut macht und der uns befähigt, eine neue Sprache zu lernen, die Sprache der Liebe. Amen.

Evangelium: Joh 20, 19-23:
Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

Musik: 
Lied zu Beginn: GL 342, Strophen 1 bis 6 "Komm heilger Geist, der Leben schaff" 
Kyrie-Litanei: GL 165
Gloria: GL 173
Antwortgesang:  GL 312,2
Pfingstsequenz: GL 344
Halleluja: GL 175,3
Fürbittruf: GL 312,2 "Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu"
Gabenbereitung: GL 348,  Strophen 1, 3, 4 "Nun bitten wir den Heiligen Geist"
Sanctus: GL 200 "Heilig, heilig, heilig"
Agnus Dei: GL 207 "Christe du Lamm Gottes"
Danksagung: GL 347 "Der Geist des Herrn"
Schlusslied: GL 380, Strophen 1, 5, 9 "Großer Gott, wir loben dich"

 

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