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hr4 Ostermontagsgottesdienst aus Frankfurt, Sankt Georgen

hr4 Ostermontagsgottesdienst aus Frankfurt, Sankt Georgen

Dr. Ansgar Wucherpfennig
Ein Beitrag von

Dr. Ansgar Wucherpfennig,

Jesuitenpater, Professor für Neues Testament und Rektor der Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt

hr4 Feiertagsgottesdienst an Ostermontag, 22. April 2019, 10.05 bis 11.00 Uhr
aus der Seminarkirche der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt

Den Gottesdienst zum Nachhören gibt es bei hr4.de.

Liturgie und Predigt: Pater Dr. Ansgar Wucherpfennig S.J.
Liturgische Mitwirkung: Pfarrerin Anne-Katrin Helms, Pastoralreferentin Beate Buballa, Gerlinde Back

Mitwirkende Musik:
Chor: Studierende der Hochschule Sankt Georgen und Collegium Vocale Bad Homburg
Orgel: Christos Theel
Violine: Carolin Brusky
Flöte: Katja Blumenhein
Piano: Lukas Best
Musikalische Leitung: Dr. Helmut Föller

Predigt:
Liebe Schwestern und Brüder hier in der Kirche und am Radio!
Niemand weiß genau, wo Emmaus liegt; gleich drei Dörfer würden heute gern gleichgesetzt mit diesem Ort. Alle liegen im Westen von Jerusalem. Jedenfalls war es ein Dorf, keine Stadt. Die engen Gassen der Stadt Jerusalem hatten die beiden Jünger satt, deshalb sind sie nach Emmaus aufgebrochen. In den engen Gassen konnten sie den Himmel nicht mehr sehen. Und genauso satt hatten sie auch die Gerüchteküche, deren Mief sich in den Gassen schnell verbreitet. „Ebbe langt’s!" würden die Frankfurter in einer solchen Situation sagen. Ebbe langt’s den beiden auch von den Geschäften und Gesprächen in der Stadt, auf dem Markt und im Tempel; das alles hatte ihrem Meister, Jesus, das Leben gekostet. Davon hatten sie die Nase gestrichen voll.
Nicht nur welches Dorf es war, zu dem sie liefen, wissen wir nicht. Auch wer es genau war, wissen wir nicht. Kleopas heißt der eine, aber der andere hat keinen Namen. War es seine Frau? Das Evangelium sagt es nicht, es erzählt vor allem von ihren Augen und von ihrem Herz: Ihre Augen haben nicht mehr durchgeblickt, weil ihr Herz gefesselt war, seit ihr Meister hingerichtet worden ist. Mit finsterem Blick bleiben sie stehen, als der Fremde sie auf dem Weg fragt, worüber sie reden. Ihre Augen sind so trübe geworden, dass sie ihn noch nicht einmal erkennen. Erst als sie sich dann doch auf den Fremden einlassen, wird auch ihr gefangenes Herz wieder frei.
So wichtig wie Augen und Herz der beiden sind auch ihre Beine. Sie nehmen sie in die Hand und gehen los. Denn eines sagt das Evangelium genau: Emmaus liegt zwei Wegstunden von Jerusalem entfernt. 60 lange Stadien lang ist der Weg. Laufen wie im Stadion, miteinander an der frischen Luft über all das ringen, was ihnen zwischen vier Wänden zu eng geworden ist, das wollten sie. Erst abends, als die Sonne untergeht, kommen sie an.
Vor 14 Jahren ist an einem Gründonnerstag ganz überraschend mein Vater gestorben. Als mich die Nachricht in einem kleinen Dorf nach dem Gottesdienst erreichte, war Laufen auch das erste, was mir einfiel: Ich bin ein paarmal um das ganze Dorf gelaufen, an der frischen Luft und hab auch meinen Tränen freien Lauf gelassen. An der frischen Luft und im Gehen konnte ich den Schock und die erste Trauer loswerden, und so habe ich es auch in den Wochen danach noch häufiger getan: Wenn mir im Büro die Decke auf den Kopf fiel, bin ich einfach ein paar Kilometer an der frischen Luft gegangen. Das hat mir damals gutgetan, frische Luft an meine Trauer und dunklen Gedanken zu lassen, und wenn es ging auch zu beten. Es kann auch guttun, wenn eine Freundschaft an einen toten Punkt angekommen ist: Gemeinsam Rausgehen und im Gehen Miteinander Reden. Aber trotzdem ist das Sofa oft näher, der Tee neben dem warmen Ofen gemütlicher.
Auch in der Freundschaft zwischen Kirchen tut es gut aufzubrechen, und nicht gemütlich einfach unter sich zu bleiben. Vor zwei Jahren sind wir hier in Frankfurt-Oberrad gemeinsam ökumenisch losgezogen. „Auf geht’s" hieß unser gemeinsamer Weg. Für mich war Ökumene zwischen unseren beiden Kirchen in den Jahren davor schon an einem toten Punkt angekommen. Und trotzdem haben wir wieder angefangen, gemeinsam gebetet, erzählt und miteinander gefeiert. Das hat vieles in unseren Herzen aufgebrochen und unseren Blick von Menschen öffnen lassen, die uns am Anfang fremd waren. Dass wir nicht ökumenisch zusammen Mahl halten können,tut vielen weh. So hat Jesus mit den Jüngern Mahl gehalten und Brot gebrochen. Da erst gingen ihnen Augen und Herz auf, und sie erkennen ihn. Das würden auch wir gerne zusammen erleben. Wichtig ist, so höre ich aus der Emmauserzählung, dass wir uns an dieser Enge nicht den Kopf einrennen. Rausgehen, Aufbrechen, Sich auf den Weg Machen, immer der Nase nach, wo frischer Wind weht. Das tat den Jüngern damals gut. Es tut auch vielen Menschen heute gut. Wer seine eigenen vier Wände, die engen Gassen oder auch die eigenen Kirchenmauern verlässt und aufbricht, kann das erleben: Der Himmel weitet sich, und das Herz geht einem au

Evangelium:
aus dem Lukas-Evangelium (Lukas 24,13-35):
Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen.  Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift eröffnete? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Musik: 
Eingangs-/Eröffnungslied:
GL 318 / EG 99, „Christ ist erstanden" mit Zwischenversen (Chorbuch GL / Enjott Schneider)
Gloria: (nicht im GL und EG) von Helmut Föller
Antwortgesang und Halleluja: GL 644,3 „Auferstanden ist der Herr" und GL 175,6 Halleluja
Musik zwischen Evangelium und Predigt: Meditation über "Christ ist erstanden" von Helmut Föller
Fürbittruf: „Herr, deine Güte reicht so weit der Himmel ist" (aus der Sankt Georgener Messe)
Musik zur Gabenbereitung: GL 338 „Jerusalem, du neue Stadt" (Chorsatz: Heinrich Schütz)
Sanctus: Heilig, heilig, heilig (Stimmer-Salzeder)
Agnus Dei: "Lamm Gottes, nimm hinweg" (Raabe)
Musik zur Kommunion: GL 618,2 „Confitemini Domino" (Taizé)
Schlusslied: GL 325 „Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit"
Musik zum Auszug: Felix Mendelssohn, Sonate c-moll, 3. + 4. Satz (Allegro moderato und Fuga)

 

 

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