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Luthers Meisterwerk

Luthers Meisterwerk

Dr. Fabian Vogt
Ein Beitrag von Dr. Fabian Vogt, Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Darmstadt

Manchmal will uns einer Böses – und erreicht damit genau das Gegenteil, nämlich was Gutes. Kennen Sie das? Ein schönes Beispiel dafür ist der Reformator Martin Luther. Der war ja wegen seiner Schriften gegen die katholische Kirche für vogelfrei erklärt worden und musste sich deshalb verstecken. Unter falschem Namen. Auf der Wartburg.

Tja, da saß er nun. 1521. Und war anfangs ziemlich sauer, dass man ihn so kaltgestellt hatte. Doch dann wurde Luther klar, dass er seine Zeit im Versteck auch produktiv nutzen konnte. Also fing er an, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen. Und das so poetisch, dass er damit den ersten Bestseller der Weltgeschichte schuf.

Bis heute sind sich die Wissenschaftler einig: Es war auch diese brillante Übersetzung, die Luthers Reformation endgültig zum Durchbruch verhalf. Sprich: Erst dadurch, dass ihn seine Gegner so bedroht hatten, bekam der Reformator die Gelegenheit, in aller Ruhe auf der Wartburg sein „Meisterwerk“ zu verfassen.

Denn das war diese Übersetzung: ein Meisterwerk. Luther hatte, wie er es nannte, „dem Volk aufs Maul geschaut“, also genau so geschrieben, wie die Leute redeten – und gleichzeitig durch sein Sprachgewalt ein Buch geschaffen, dass die deutsche Sprache und Kultur geprägt hat, wie kein anderes. Bis heute.

Wer wissen will, wie es einem Buch gelingen konnte, die Welt zu verändern, der kann sich im Frankfurter Bibelhaus Erlebnismuseum zurzeit die eindrucksvolle Ausstellung „Luthers Meisterwerk – ein Buch wie eine Naturgewalt“ anschauen. Äußerst seltene Bibeldrucke und viele Mitmach-Elemente zeigen: Starke Worte und starker Glauben hängen manchmal ganz eng zusammen.

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