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Frühjahrsputz
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Frühjahrsputz

Dr. Fabian Vogt
Ein Beitrag von Dr. Fabian Vogt, Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Darmstadt

Laut einer Studie sagen rund fünfzig Prozent aller Deutschen, dass es Ihnen ein richtig befreiendes Gefühl gibt, im Frühling Dinge auszumisten. Na, ist ja auch kein Wunder: Überflüssiger oder unnütz gewordener Krempel wird rausgeschmissen – und es entsteht endlich Platz für Neues. Eben der klassische Frühjahrsputz.

Klar ist: Wenn man nicht regelmäßig ausmistet, dann ist irgendwann alles voll. Und dann hat man auch keine Lust mehr, sich auf Neues einzulassen. Sprich: Der Frühjahrsputz ist vor allem deshalb so wohltuend, weil er Freiräume schafft. Weil er die Lust am Neu-Entdecken und Verändern fördert.

Verrückt finde ich dabei: Von alten Klamotten, unansehnlich gewordenen Möbeln, von der Zeit gezeichnetem Gerümpel oder nie benutzten Geschenken trennen wir uns meist ganz lässig – während wir uns mit eingefahrenen Meinungen, starren Positionen und fest zementierten Vorstellungen deutlich schwerer tun.

Und da dachte ich: Ich könnte doch mal einen Frühjahrsputz im Kopf machen. Ja, anstatt die Regale entlang zu tigern und dort nach entbehrlichen Sachen zu schauen, könnte ich genau so gut prüfen, ob nicht auch manche meiner im Lauf der Zeit angeschafften Grundsätze längst veraltet sind. Was weiß ich: Vielleicht stimmt es ja gar nicht, dass mich alle toll finden müssen, damit ich glücklich sein kann. Und wenn dem so: Raus damit! Platz für Neues schaffen!

Das ist übrigens ein uralter Wunsch. Schon vor 3000 Jahren schrieb ein Dichter in den Psalmen der Bibel: „Gott, wasch mich rein und reinige mich. Schaffe in mir ein reines Herz und einen neuen Geist.“ Das nenne ich mal einen Frühjahrsputz der Seele.

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