Küssen erlaubt?
Heute ist „Welttag des Kusses“. Vielleicht sind Sie heute schon von einem lieben Menschen geküsst worden. Vielleicht müssen Sie gerade darauf verzichten, weil ihr Partner oder ihre Partnerin unterwegs ist, Sie sich noch nicht gesehen haben oder weil da im Moment niemand ist, der ihnen so nah steht, dass Sie sich von ihm oder ihr küssen lassen würden. Vielleicht sehnen Sie sich danach – oder sind zufrieden mit dem, wie es gerade ist.
Welttag des Kusses: Warum Nähe und Zärtlichkeit so wichtig sind
Den Welttag des Kusses haben die Briten Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts erfunden. Während in manchen Ländern der flüchtige Kuss zur Begrüßung auf die Wangen ganz selbstverständlich dazugehört, ist er für uns oft mehr: ein Ausdruck von Liebe und Intimität. Genau daran soll dieser Tag erinnern – nämlich echte Zuneigung zu zeigen. Eine schöne Idee. Eigentlich bräuchte es mehr solcher Tage geben, die uns ins Gedächtnis rufen, wie wichtig Beziehungen, liebevolle Zuwendung und Zärtlichkeit sind.
Küssen verbindet: Mehr als nur ein romantisches Zeichen
Küssen setzt Glückshormone frei – das ist wissenschaftlich bewiesen. Und dabei denke ich nicht nur an Paare. Wir brauchen doch alle diese Momente, die unter die Haut gehen. Momente, in denen wir spüren: Da meint es jemand gut mit mir. Wir erleben, wie gut es tut, wenn sich jemand um uns sorgt. Es tut gut, wertgeschätzt zu werden und sich angenommen zu fühlen. Im Trubel unseres Alltags vergessen wir es nur manchmal. Oder wir übersehen diese kleinen liebevollen Zeichen und Gesten, die uns für einen Moment ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
Ein biblisches Bild voller Zärtlichkeit
Ich mag die Vorstellung, die der Prophet Hosea etwa um 750 v. Chr. aufgeschrieben hat. Er verwendet für das Volk Israel das Bild der Braut, um die Gott wirbt. Da ist ein Gott, der Nähe sucht, bei seinem Volk sein möchte, um seine Liebe zu zeigen. Ich stelle mir vor, wie sich diese Liebe in ganz unscheinbaren Momenten zeigt: Sein Kuss, das könnte der Sonnenaufgang am Morgen sein, die Tasse Kaffee, die ich in Ruhe genießen darf, der Mensch, der mich an der Kasse vorlässt, weil er merkt, dass bei meinem Kind der Geduldsfaden reißt oder die Person, die sieht, dass mir genau jetzt eine Ermutigung guttut.
Die „Küsse des Alltags“
Manchmal sind das nur flüchtige Küsse des Alltags, aber wenn ich genauer hinschaue, merke ich: Dahinter steckt mehr, eine leise, liebevolle Umarmung, die mich hält; wie ein „Hand-in-Hand-Gehen“, das mir Sicherheit gibt.
Selbst zum Segen werden
Wie wäre es, heute am „Welttag des Kusses“ einmal bewusst nach solchen Momenten Ausschau zu halten. Und wenn Sie sich gerade „ungeküsst“ fühlen, dann dürfen Sie aktiv werden und selbst zum Küssenden werden. Mit einer freundlichen Geste, einem guten Wort, einem offenen Blick. Denn eines ist sicher: Liebe ist nichts Abstraktes, sie zeigt sich im Kleinen und beginnt genau da zu wirken. Probieren Sie es doch mal aus, denn Küssen ist heute ausdrücklich erlaubt.