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Danke zu Weihnachten für würzige Gespräche
Bildquelle: pixabay

Danke zu Weihnachten für würzige Gespräche

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Ein Stapel Weihnachtskarten liegt auf meinem Schreibtisch. Die will ich noch schreiben und verschicken an Freunde und Verwandte, die ich zu Heiligabend nicht sehe. Das Weihnachtskarten-Schreiben, der Rundbrief per E-Mail oder die WhatsApp sind wie ein kleiner Jahresrückblick. Was hat mich 2015 mit dem Menschen verbunden, dem ich schreibe? Was bewegt mich besonders an diesem Weihnachten?

Bei mir sind das in diesem Jahr die Gespräche mit Freunden und Kollegen oder in der Familie. Die Gespräche sind politischer geworden. Überall ging es darum: Wie schaffen wir das, die vielen Flüchtlinge gut aufzunehmen? Wie gehen wir mit der Terrorgefahr um? Und auch ganz grundsätzlich: Was ist uns in unserer Gesellschaft wichtig? Freiheit, Mitmenschlichkeit, Zusammenhalt, Frieden. Wie füllen wir diese großen Worte mit Leben?

Ich habe verbohrte Gespräche erlebt, bei denen Fremde pauschal verteufelt wurden. Solche Diskussionen haben mir ehrlich gesagt nichts gebracht. Aber es gab viele Mittagessen und Abende, bei denen haben wir zwar auch gestritten. Aber jeder hat mit Argumenten diskutiert, ohne gegen andere zu hetzen. Der Kirchenvater Augustinus hat einmal geschrieben: „Manchmal in den Meinungen auseinander gehen und so die Einheit würzen.“

Für solche würzigen Gespräche schreibe ich ein Danke auf meine Weihnachtskarten. Und ich schreibe drauf, wovon ich in diesem Jahr beeindruckt war. So viele Menschen um mich herum engagieren sich. Der Kollege, der neben Beruf und Familie eine Flüchtlingsunterkunft betreut. Die Frau aus dem Freundeskreis, die zusammen mit anderen auf dem Weihnachtsmarkt Spenden sammelt für bedürftige Kinder und Jugendliche. Mein Respekt dafür, der kommt auch auf meine Weihnachtskarten. Und zum Schluss schreibe noch meinen höchsten Weihnachtswunsch drauf: Friede auf Erden.

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