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Der Adventskalender für Schausteller

Der Adventskalender für Schausteller

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Es ist eine lose Blattsammlung, DIN A fünf hochkant, oben gelocht und mit einem Wollfaden zusammengehalten und nennt sich „Weihnachtsmarktkalender“. Man sieht ihn auf hessischen Weihnachtsmärkten in den Verkaufsständen hängen. Aber er ist nicht zum Verkaufen, sondern ein Adventskalender extra für die Schaustellerinnen und Standbetreiber.

Christine Beutler-Lotz hat ihn gemacht. Die Pfarrerin ist Seelsorgerin für Schausteller. Wie geht es denen, die jeden Tag auf dem Weihnachtsmarkt sind und Glühwein oder Sterne, Krippenfiguren oder gebrannte Mandeln verkaufen? Wenn man in dem Adventskalender für Schausteller blättert, bekommt man eine Ahnung.

Eine Besonderheit ist schon mal, dass der Adventskalender rückwärts zählt. Das erste Kalenderblatt heißt „noch 31 Tage“. Denn die Weihnachtsmärkte eröffnen in der Woche vor dem ersten Advent und gehen bis Weihnachten, einige sogar noch länger. Jeden Tag Weihnachtsmarkt – da braucht man Durchhaltevermögen.

Ein Kalenderblatt gibt Tipps für den Hund, der an manchem Stand mit dabei ist. Ein Esslöffel Leinöl ins Futter schützt im Winter die Gelenke des Vierbeiners. Aber natürlich enthält der Adventskalender besonders viel fürs Wohlbefinden des Weihnachtsstand-Menschen. Was dem Gesicht nach einem Tag im Winterwetter gut tut, was gegen Grippe hilft und ein Bibelwort für jeden Sonntag im Advent.

Besonders angerührt haben mich die Familiennachrichten in dem Kalender. Ein Kalenderblatt erinnert an die Schaustellerinnen und Budenbetreiber, die im vergangenen Jahr gestorben sind. Den Geburtstagskindern im Winterhalbjahr wird gratuliert. Eine Seite heißt „unsere Täuflinge“: Getauft wurde zum Beispiel Enrico vom Sternschnuppenmarkt in Wiesbaden oder Jennifer vom Rüsselsheimer Weihnachtsmarkt. Da spürt man, dass die Standbetreiber auf den Weihnachtsmärkten untereinander verbunden sind.

„Liebe reisende Gemeinde!“ So schreibt die Pfarrerin Christine Beutler-Lotz die Schausteller im Adventskalender an. Weil das Leben bewegt ist, gibt es Verbundenheit. Wir reisen gemeinsam.

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