Das Recht, ein anderer zu werden - zum Buß- und Bettag

Das Recht, ein anderer zu werden - zum Buß- und Bettag

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Ein Arbeitsteam trifft sich und übt Manöverkritik. Was lief gut in den vergangenen Monaten, was ging daneben? Johannes stellt die Ergebnisse aus seinem Bereich vor. Seine Kollegin Sophie scherzt herum. „So kleine, niedliche Umsatzzahlen und dürfen schon raus in den Halbjahresbericht!“ Alle lachen. Nur Johannes nicht.

„Ich finde das nicht lustig“, sagt er mit leiser Stimme mittenhinein ins Gelächter. Sofort wird es still. „Schön für euch, dass ihr so schadenfroh lachen könnt“, spricht Johannes weiter. „Es ist ein schwieriges Feld, das ich bearbeiten muss. Ihr könnt euch gerne daran versuchen.“

Sophie wird schamrot. Johannes hat Recht. Sie hat sich auf seine Kosten amüsiert. Schadenfroh, so will sie eigentlich nicht sein. Sie mag und schätzt ihren Kollegen. Welcher Teufel hat sie da geritten? Sie hat die anderen zum Mitlachen angestiftet und kam sich witzig und schlagfertig vor.

Sophie schluckt: „Du hast Recht“, sagt sie zu Johannes. „Das war nicht fair von mir. Ich bitte dich um Entschuldigung.“ Johannes kämpft mit sich. „Entschuldigung angenommen“, sagt er schließlich. Richtig gut ist es noch nicht gleich wieder zwischen den beiden. Den Rest der Besprechung gehen sie sehr vorsichtig miteinander um.

Heute ist Buß- und Bettag. Buße fängt mit der Scham und dem Erschrecken an: So bin ich, aber so will ich gar nicht sein. Ich muss auch nicht so bleiben. Buße ist das Recht, ein anderer zu werden. Klassisch geht Buße in drei Schritten: Erst kommt die Reue. Am liebsten würde ich ungeschehen machen, was ich getan oder gesagt habe. Es kostet Überwindung, mir das einzugestehen und mit mir selber ehrlich zu sein. Der zweite Schritt der Buße: Ich benenne, was ich falsch gemacht habe. Dann kann der andere spüren, dass es mir aufrichtig Leid tut.

Der dritte Schritt ist die Bitte um Entschuldigung. Damit ist noch nicht alles wieder gut. Aber so kann es wieder besser werden. Das bedeutet Buße nämlich ursprünglich: Besserung. Bei mancher Buße tut es gut, wenn man sie nicht alleine mit sich ausmachen muss. Dann kann ein Gottesdienst helfen. Heute am Buß- und Bettag finden in den meisten evangelischen Kirchen welche statt.

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