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Das Gute ist stärker als das Böse - nach den Anschlägen in Paris

Das Gute ist stärker als das Böse - nach den Anschlägen in Paris

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Wir starten heute in den Alltag und wissen, in Paris ist nichts normal. Aber auch ich gehe zur Arbeit heute anders, wie bestimmt viele, die auf dem Weg ins Büro sind, in die Kita oder zum Einkaufen. Der Terror in Paris lässt mich nicht los. Die vielen Toten und Verletzten, die, die um sie trauern, das geht mir nicht aus dem Kopf. Und die Brutalität der Attentäter. Da fehlen mir die Worte. Anfang Zwanzigjährige, die blindwütig auf Menschen schießen. Die Terroristen wollen Hass in unsere Gesellschaft tragen. Das ist etwas Teuflisches. Von alters her ist teuflisch, was Menschen auseinanderbringt und spaltet.

Heute für 12 Uhr bittet die EU alle Europäer, eine Schweigeminute zu halten. Sie ruft mit diesen Worten dazu auf: „Das Gute ist stärker als das Böse.“ Sie verbindet damit: Die Terroristen werden nicht siegen. Sie werden uns die Freiheit und unsere offene Gesellschaft nicht kaputt machen. Das ist auch meine Hoffnung. Wobei wir diskutieren und auch streiten müssen, wie wir das Gute, für das wir stehen, am besten verteidigen.

Ich werde heute um Zwölf die Schweigeminute halten. Man kann einfach nur still sein und an die Opfer denken. Ich werde in der Minute auch für sie beten. Ich nehme diesen Gedanken mit: Das Gute ist stärker als das Böse. Was die EU sagt, erinnert stark an die Worte aus der Bibel: Lass dich nicht vom Bösem überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem (Römer 12,21).

Wie mache ich das? Ich fange beim Guten an. Gerade weil wir an diesem Wochenende so viel mörderisch Böses gesehen haben, bin ich froh über jedes Gute in meinem Leben. So wie viele andere auch habe ich an diesem Wochenende Freunde kontaktiert. Und ich habe mich mehr als sonst gefreut, einfach Nachbarn im Treppenhaus zu treffen und zu reden, wie betroffen wir sind. Das ist etwas, was ich auch heute tun will: Zusammenstehen, mich mit anderen verbinden. Das Leben schätzen. Und dankbar dafür sein.

Die Terroristen hätten ihr Ziel erreicht, wenn wir uns in Hass und Angst spalten lassen. Juden, Christen, Muslime, Gläubige und Nicht-Gläubige. Das Gute ist stärker als das Böse. Das zeigen wir, indem wir zusammenstehen.

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