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Ein Herz am äußersten Ende

Ein Herz am äußersten Ende

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2015. Dies sind die Abenteuer der Raumsonde New Horizons, die neuneinhalb Jahre unterwegs ist, um unsere Galaxie zu erforschen. Fast fünf Milliarden Kilometer von der Erde entfernt dringt die Raumsonde zu Pluto vor, den nie ein Mensch zuvor so gesehen hat.

Ich musste an Raumschiff Enterprise denken, als die sensationellen Bilder vom Planeten Pluto quer durchs All zu uns auf die Erde kamen. Science Fiction wird Wirklichkeit. Ich sehe die Fotos von Pluto und staune: Was für eine Welt! Was für eine Schöpfung! Was für ein Gott steht hinter dem Universum!

Viele waren von Pluto sofort begeistert. Denn: Seine Oberfläche zeigt ein großes weißes Herz. Ist doch typisch Mensch. Wir wollen auch am Ende unseres Sonnensystems ein Herz sehen. Mir gefällt das. Pluto mit Herz. Pluto ist in der klassischen Mythologie der Gott der Unterwelt. Das passt zu dem Zwergplaneten. Er ist von unserer Sonne so weit entfernt wie kein anderer Planet und ist minus 230 Grad kalt. So ungemütlich kann man sich die Unterwelt durchaus vorstellen.

Für die Menschen der Bibel war die Unterwelt, das Reich der Toten unerreichbar weit entfernt, abgeschnitten vom Leben. Sie haben befürchtet: Im Tod bin ich einsam, von Gott und von den Menschen verlassen und vergessen. Aber gleichzeitig haben sie gehofft: „Wenn ich zum Himmel fahren würde, so bist du, Gott, da. Und selbst in der Unterwelt, bei den Toten, auch da wird deine Hand mich halten.“ So beten Menschen in der Bibel (Psalm 139,8).

Pluto mit Herz. Für mich steckt da die Sehnsucht drin: Weit weg von Sonne, Licht und Leben, auch noch am äußersten Ende wartet ein Herz auf mich.

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