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Barfuß
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Barfuß

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Janina geht barfuß. Nicht nur eben mal auf dem Teppichboden oder über den Rasen im Freibad. Janina geht den ganzen Sommer lang barfuß. Auf der Straße, in der Schule, beim Radfahren. „Ich wollte einfach einmal ausprobieren, ob das geht und wie das ist“, sagt die Sechzehnjährige. Seit März geht sie ohne Schuhe.

Am Anfang hat sie alles an ihren Füßen gespürt. Ob der Boden hart ist oder weich. Nass und kalt vom Regen oder den Asphalt, den die Sonne aufgeheizt hat und der unter den Fußsohlen brennt.

Zu Beginn ihres Experiments hat sie sich immer gut überlegt, welche Routen sie einschlägt: Wo sind viele Kieswege, die kitzeln und pieksen. Wo lässt es sich angenehm barfuß laufen.

„Klar bin ich auch mal in eine Scherbe getreten“, erzählt Janina. „Umso mehr passe ich auf, wohin ich laufe. Ich habe auch irgendwie ein Gefühl für den Boden entwickelt.“ Mittlerweile haben ihre Füße kräftige Hornschichten gebildet wie eingebaute Schuhsohlen. Glassplitter oder spitze Steine auf dem Weg können ihr kaum noch etwas anhaben.

Ihre Mitschüler und Freundinnen machen sich manchmal über sie lustig. Aber Janina war schon immer für verrückte Ideen gut. Natürlich sind ihre Füße ständig schmutzig. „Und in Highheels komme ich erst mal nicht rein“, lacht Janina.

Jesus hat seine Jünger in die Dörfer und Städte geschickt und ihnen aufgetragen: „Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg – und keine Schuhe.“ Es gibt Nonnen und Mönche, die deshalb barfuß gingen. Sie nannten sich auch so: Barfüßer-Orden oder die Unbeschuhten. Für sie war das ein Ausdruck für Armut. Und ein Zeichen dafür: Ich vertraue dem Weg, auf den Gott mich schickt.

Bei Janina stand am Anfang Protest gegen die Eltern, die ihr ständig sagten: Du musst Schuhe tragen. Dann erst recht nicht, dachte sie sich. Aber dann hat sie noch mehr entdeckt. „Ich finde toll: Es funktioniert!“, sagt sie. „Ich kann einfach losziehen, so wie ich bin. Ich kann darauf vertrauen: Das Leben bildet seine eigene Schutzschichten.“

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