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Hausbau – Was tun, wenn der Tag X kommt?
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Hausbau – Was tun, wenn der Tag X kommt?

Anne-Katrin Helms
Ein Beitrag von

Anne-Katrin Helms,

Evangelische Pfarrerin, Erlösergemeinde Frankfurt-Oberrad

Neulich habe ich meine Freundin besucht. Sie ist krank. Ernstlich krank. Sie hat nochmal neu über ihr Leben nachgedacht. Und davon hat sie mir erzählt:
„Ich will nächstes Jahr aufhören zu arbeiten. Mein Mann und ich hatten uns gerade darauf gefreut, mehr Zeit füreinander zu haben. Tun, wozu wir Lust haben. Und dann kommt DAS.“
Mit „Das“ meint meine Freundin die Diagnose: Krebs. Sie erzählt: „Das hat mich umgehauen. Als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Auf einmal war da nichts mehr, was mir Halt gibt. Alles war weg. Übrig war nur noch der Gedanke: Ich habe Krebs. Jetzt ist es aus. Jetzt kommt der Tod“, sagt meine Freundin.
Mir würde es genauso gehen. Wenn mir ein Arzt so eine Diagnose sagen würde, wäre es für mich eine Katastrophe. Dann tut sich ein Abgrund auf und ich habe Angst, hinein zu stürzen.
Ich frage mich: Kann ich mich für so einen Tag X vorbereiten? Kann ich mich jetzt schon in etwas einüben, was mir dann hilft?
In der Bibel sagt Jesus: Ja, du kannst dich vorbereiten! Er erzählt dazu eine Geschichte von zwei Menschen. Der eine ist klug. Der andere ist dumm. Beide bauen für sich selbst ein Haus. Der Kluge baut es auf festen Grund. Der Dumme baut es auf Sand. Kaum sind die beiden Häuser fertig gebaut, kommt ein Sturm, dazu noch ein Platzregen. In wenigen Minuten spült es den Sand unter dem Haus des Dummen weg. Das Haus stürzt ein. Es hatte keinen Halt. Das Haus des klugen Menschen, der auf festem Grund gebaut hat, bleibt stehen.
Zwei Häuser, zwei Gründe. Der Sturm und der Platzregen treffen beide Häuser.
So ist das auch bei den Menschen. Durchgeschüttelt und durchgerüttelt wird jede und jeder einmal. Auch die, die freundlich und fröhlich durchs Leben gehen, sich nichts zu Schulden kommen lassen und, wenn sie etwas falsch gemacht haben, um Entschuldigung bitten. Auch sie können krank werden. Auch sie haben Angst vor dem Tod. Kein Mensch geht ohne Krise durchs Leben.
Der Unterschied zwischen dem Klugen und dem Dummen sind nicht die Schicksalsschläge. Der Unterschied liegt im Umgang mit Katastrophen und der Angst davor.
Wenn ich darüber nachdenke, worauf ich mein Leben baue, beginne ich damit, mich auf den Tag X vorzubereiten.
Ich übe mich darin, mein Leben auf die Kraft Gottes zu gründen. Ich lese die Geschichten in der Bibel und die Psalmen. In ihnen fühle ich mich oft geborgen wie in einem Haus auf festem Grund. Es gibt auch Zeiten, da sagen sie mir nichts. Sie entfallen mir buchstäblich. Aber dann kommen andere Zeiten, die mich an diese Geschichten und Gebete erinnern.
Ich habe meine kranke Freundin eine Woche nach dem Besuch angerufen und sie gefragt, wie es ihr jetzt geht. „Weißt du“, sagt sie, „meine Familie ist da. Freunde rufen an – so wie Du jetzt. Ihr haltet alle zu mir. Das ist mir ganz wichtig. Und ich habe das Gefühl, dass mir Gott immer mal wieder ein bisschen festen Boden unter die Füße schiebt. Auf den setze ich jetzt zaghaft einen Schritt vor den anderen.“"

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