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Gottes Stimme hören
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Gottes Stimme hören

Thomas Drumm
Ein Beitrag von

Thomas Drumm,

Evangelischer Pfarrer, Leiter der Akademiker-SMD, Marburg

Als jemand, der an Gott glaubt, kenne ich Zeiten, in denen ich denke: Ich höre Gott nicht. Nicht beim Beten, nicht im Alltag. Dabei ist die Bibel doch voll von Geschichten, wie Gott geredet hat. Gott ist kein stummer Gott. Ich bin davon überzeugt: Gott spricht auch heute. Nur, warum höre ich ihn dann nicht?
Wenn es mir so geht, denke ich an die Geschichte von einem Mann. Er lebt nah an der Natur. Er liebt den stillen Wald. Alleinsein macht ihm wenig aus. Einmal besucht dieser Mann einen Freund in einer großen Stadt. Die beiden gehen durch die Straßen. Alles ist voll Menschen und Autolärm. Plötzlich bleibt der Mann stehen, fasst seinen Freund am Arm und sagt: „Hast du das gehört?“ – „Was gehört?“, fragt der verwundert zurück. – „Die Grille, hörst du sie?“
Sein Freund lacht und sagt „Das ist unmöglich. Hier mitten in der Stadt gibt’s keine Grillen.“ – „Psst“, erwidert der, „da war es wieder. Hörst du’s nicht?“ Und dann macht er ein paar Schritte vorwärts, greift behutsam in einen Mauervorsprung und … hat die Grille in der Hand.
Sein Freund staunt: „Du hast aber ein gutes Gehör.“ – „Nein“, widerspricht der andere, „kein gutes Gehör, sondern ein geschultes.“ Er greift in die Hosentasche, holt ein paar Geldstücke heraus und lässt sie fallen. Klirrend kullern die Münzen auf dem Boden.
Sofort fahren die Köpfe von fünf, sechs Leuten rum und schauen nach dem Geld. „Siehst du“, sagt er, „die Münzen sind auch nicht lauter als die Grille. Es kommt eben darauf an, auf was man hört.“

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