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Glauben heißt Vertrauen – Wie ein Engel beim Helfen abblitzt
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Glauben heißt Vertrauen – Wie ein Engel beim Helfen abblitzt

Stephan Krebs
Ein Beitrag von

Stephan Krebs,

Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt

Glauben heißt Vertrauen. Das hat Gisela vor 30 Jahren als Konfirmandin gelernt – und dann auch wieder vergessen. Heute wird sie sich daran erinnern. Aber das weiß sie früh am Morgen noch nicht.
Gerade fährt sie zu ihrem Arbeitsplatz. Noch 20 Minuten, dann ist sie da, denkt sie. Doch heute kommt es anders. Ihr Wagen wird langsamer, obwohl sie Gas gibt. Gisela kann ihn gerade noch auf einem Parkstreifen im Wald zum Stehen bringen. Dann schweigt der Motor.
Sie will die Werkstatt anrufen. Doch erschrocken muss sie feststellen: Sie hat das Handy zu Hause vergessen. „Ach du lieber Gott“, murmelt sie vor sich hin, als sie erkennt, dass ihr niemand helfen kann. Gisela schließt ab und geht los. Es ist ja nicht sehr weit zur Stadt. Aber bereits nach hundert Metern merkt sie, dass ihre halbhohen Büroschuhe für einen solchen Fußmarsch nicht geeignet sind. Da hört sie ein Auto kommen. Es stoppt, das rechte Seitenfenster geht herunter und eine Männerstimme fragt: „Soll ich Sie mitnehmen?“
Gisela zuckt zusammen. In Sekundenbruchteilen hört sie vertraute Stimmen in ihrem Kopf. „Sei vorsichtig, man weiß ja nie…!“ „Geh nicht mit fremden Männern!“ Dazwischen auch: "Wie schön, dass jemand kommt!“
Während Gisela noch überlegt, hört sie sich sagen: „Nein danke.“ Sofort ärgert sie sich. Sie will wenigstens noch etwas Freundliches hinterher sagen. Oder vielleicht doch einfach einsteigen und sagen: „O ja gerne, Sie schickt der Himmel.“ Aber dazu kommt sie nicht, denn der Mann gibt Gas und fährt davon.
In dem Wagen sitzt Hubert, ein freundlicher und höflicher Mann Ende 50. Schon während er davonbraust, ärgert er sich über sich selbst. Gerne wäre er ein Engel im rechten Augenblick gewesen. Sie hat das leider nicht gewollt. Aber warum hat er nicht noch einen Anlauf gewagt? Er hätte versuchen können, ihre Angst zu nehmen und Vertrauen zu schaffen. Stattdessen war er gekränkt und schnell davongefahren. Selbstkritisch fragt sich Hubert: „Um wen ist es mir eigentlich gegangen? Um die Frau, die Hilfe braucht? Oder um mich selbst, weil ich mich gerne als hilfreichen Retter sehen wollte?“
Derweil geht Gisela am Straßenrand weiter. Auch sie denkt nach. Der Mann kam ihr seriös und hilfsbereit vor. Warum war sie also ihrem Misstrauen gefolgt? Wer und was hatte ihr dieses Misstrauen eingepflanzt? So tief, dass sie nicht einmal in dieser Situation Hilfe annehmen konnte? Da fällt ihr der schlichte Satz aus ihrer Konfirmandenzeit ein: „Glauben heißt Vertrauen“. Nicht blindes Vertrauen in alles und jeden. Aber eben Vertrauen darin, dass Gott einem Gutes tun will. Gisela seufzt: „Das wäre jetzt wohl der richtige Moment gewesen, etwas Vertrauen in Gott und sein Bodenpersonal zu haben.“
Man möchte hoffen, dass Hubert das irgendwie spürt. Er könnte doch umkehren und es noch einmal versuchen. Engel müssen auch mal einstecken können. Dann könnte es doch noch klappen mit der Hilfe, vielleicht sogar mit einem schönen Gespräch inklusive. Unrealistisch? Vielleicht. Aber wie gesagt: Glauben heißt Vertrauen.

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