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Gebete verändern die Welt nicht … Von der Grundhaltung des Gebets
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Gebete verändern die Welt nicht … Von der Grundhaltung des Gebets

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Im Durchschnitt tun wir es vier Minuten am Tag.
Manche regelmäßig, andere nie. Die älteren mehr als junge Menschen, Frauen häufiger als Männer. Westdeutsche doppelt so oft wie die im Osten.
Etwa zwei Drittel dort haben es noch nie getan, beten.
„Gebete verändern die Welt nicht“, so fing der berühmte Arzt und Pfarrer Albert Schweitzer mal einen Satz an. Viele haben es so ähnlich erlebt:
Da schiebt’ man mal alle seine Zweifel beiseite und bittet Gott in einer Art Stoßgebet um Hilfe, weil’s einen wirklich hart getroffen hat; öffnet das Herz, bringt das Vertrauen auf zu beten und dann geht die Bitte nicht in Erfüllung.
Wieder ist man bestätigt: Gebete verändern die Welt nicht.
Albert Schweitzer ist bekannt geworden für das, was er getan hat: In Lambarene, in Afrika, im heutigen Gabun, hat er ein Urwaldkrankenhaus gegründet und so vielen Menschen ganz praktisch geholfen.
Auch dieses Engagement, seine Taten also, haben dazu beigetragen, dass er mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde.
„Gebete verändern die Welt nicht“, das ist aber nur der Anfang seines Satzes.
Weiter sagte Albert Schweitzer: „Aber Gebete verändern die Menschen. Und die Menschen verändern die Welt.“
Beten, das ist nicht nur eine kurze, konkrete Bitte an den Allmächtigen.
Beten ist eine Grundhaltung zum Leben.
Wenn ich mir dafür Zeit nehme, dann bedenke ich in der Stille, dass ich nicht nur unter Menschen lebe, sondern auch in Gottes Gegenwart.
Dann ist mein Gebet eine Art „Herzensgespräch mit Gott“.
(Der Ausdruck wird der Mystikerin Theresa von Avila zugeschrieben)
Für so ein Herzensgespräch kann ich mir das Vater Unser leihen, oder andere bewährte Texte. Gott bitten oder danken kann ich einfach mit meinen Worten oder auch ganz ohne Worte, still im Schweigen.
Beten ist keine besondere Kunst, keine Pflicht und auch keine Leistung, es ist einfach nur die Haltung, vertrauensvoll da zu sein – auch vor Gott.
Wenn es nicht die Gebete sind, die die Welt verändern, sondern die vom Gebet veränderten Menschen, dann ist es gut zu beten wie ein chinesischer Christ:
„Gott, bringe Deine Liebe und Wahrheit zu allen Menschen und fange bei mir an.“

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