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Gärten – Spuren des Paradieses
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Gärten – Spuren des Paradieses

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt

In meinen Erinnerungen an meine frühe Kindheit ist es immer Sommer. Der Flieder blühte in den Gärten meiner Eltern und meiner Großeltern. Die Familie saß zusammen und aß frischen Streuselkuchen. Alles atmete Sonne und Wärme! Diese beiden Nachbargärten waren die Welt meiner Kindheit, meine Welt, mein Paradies! Für mich waren sie das Leben überhaupt. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass es ein Davor und Danach geben könnte. Für meine Eltern und Großeltern waren sie dagegen das Ende eines mühsamen Weges: Der erste sichere Ort nach dem Krieg. Der Ort, an dem die große Familie langsam wieder zusammenfinden konnte.
Viele fühlen sich in ihrem Garten sicher und geborgen. Und so sind Gärten in fast jeder Kultur und Religion ein geschützter Ort. Menschen arbeiten mit den Händen in der Erde, im Garten, auf Äckern und Feldern. Es wächst und blüht und dann kann man ernten. Der Boden gibt Leben. So haben sich Vorstellungen vom „Paradies“ und „dem Garten Eden“ entwickelt. Diese Gärten werden in der Phantasie zu einem Ort der Harmonie, des Friedens und der Glückseligkeit.
Die biblischen Autoren beschreiben das Paradies ebenfalls als Garten. Es heißt da: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Gott legt einen Garten im Osten an. Er lässt Blumen und Früchte wachsen. Er sorgt für ausreichendes Wasser. So kann der Garten gedeihen und vertrocknet nicht. Zum Schluss holt Gott Tiere und den Menschen in den Garten. Dieser Garten ist geschützt. Er ist von einer Mauer umgeben. In ihrem Schutz kann sich die Natur entfalten. Gott gibt Menschen den Auftrag, diesen Garten zu bewahren.
Die biblische Paradiesgeschichte endet mit dem Scheitern. Adam und Eva werden aus dem Garten vertrieben. Die Tür zum Garten wird zu gemacht. Das Paradies ist für Menschen verschlossen. Die Schöpfungsgeschichte überliefert: Das Leben ist der Welt außerhalb des Paradieses ist hart und mühsam. In den Herzen bleibt aber die Sehnsucht nach dem Paradies.
Jetzt im August stehen die Gärten in ihrer vollen Pracht: Blumen blühen, Früchte können geerntet werden. Es ist herrlich, im Garten zusammenzusitzen. In jedem Garten scheint eine Ahnung vom Paradies auf: Luft zu atmen, Wasser, das wachsen lässt, in Pflanzen, die das Herz erfreuen. Ein Hauch vom Paradies!
Die Paradiesgeschichte wird oft nur als Geschichte des Scheiterns verstanden. Nein, in das Paradies können wir nicht zurückkehren, auch nicht in die Geborgenheit der Kindheit! Aber seine Spuren blieben, um Schönheit und Harmonie zu erleben."

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