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Frühstückserfahrungen – New Yorker Geschichte
Bildquelle Pixabay

Frühstückserfahrungen – New Yorker Geschichte

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain

In den Herbstferien war ich zum ersten Mal in New York. Es war beeindruckend und ich spazierte mir die Füße platt. Jeden Morgen ging ich in ein anderes Frühstückscafé. Ich bestelle mir meistens einen Chai Latte und einen Muffin. Diese Kombination heißt „Good Morning Glory“. Klingt für mich ein bisschen übertrieben, Glory, Glanz. Doch die Bedienung strahlt mich an. Fragt mich, wo ich herkomme. Weitere Fragen folgen: Aus welcher Stadt? Was ich hier in New York mache? Was ich zu Hause so tue … Ich antworte, und dann sagt sie oft fröhlich: „Wonderful!“ Danach bekomme ich meinen Tee und den Muffin. Beim langsamen Teetrinken denke ich: Die müssen das hier wohl so machen. Die kann es ja wohl wirklich nicht interessieren. Ich frage mich, ob dieses „Wonderful!“ oberflächlich ist oder eingedrillt. Jedenfalls nicht ernsthaft.
Eine gute Gelegenheit nachzudenken, wie ich das eigentlich so mache. Ein kurzer Blick, ein hingehuschtes „Guten Morgen“, ein knappes Mundwinkellächeln und ein hingeworfenes „Wie geht’s?“ . Ziemlich minimalistisch. Erwarte ich zu Hause von meinem Gegenüber eigentlich wirklich etwas? Und: Ist das besser als meine Erfahrungen hier in New York? Ich denke an die Begrüßung „Schalom“ in Israel. Dort wünschen sich Menschen „Frieden“ beim Zusammentreffen zum Frühstück und beim Abschied. Verbunden mit einem Lächeln ist das inhaltlich schon mal was. Ich beiße in meinen Good Morning Glory – Muffin und nehme mir vor, meinen Morgengruß bewusst zum Guten zu verändern, wenn es passt. Augenkontakt. Ein richtiges Lächeln. Eine ehrliche Frage mit Zeit zum Antworten. „Wonderful!“ rufe ich der Bedienung zu und halte meinen Muffin hoch.

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