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Ein Wasserhahn auf dem Hof – „Brot für die Welt“ engagiert sich für sauberes Trinkwasser
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Ein Wasserhahn auf dem Hof – „Brot für die Welt“ engagiert sich für sauberes Trinkwasser

Guido Hepke
Ein Beitrag von

Guido Hepke,

Evangelischer Pfarrer, Weilburg

Glaube versetzt Berge, sagt die Bibel. Und Nächstenliebe verlegt Wasserleitungen. Genau das ist jetzt in Laos in Südostasien passiert. In einem kleinen Dorf in den Bergen haben Familien eine funktionierende Trinkwasser-Versorgung erhalten. Nächstenliebe verlegt Wasserleitungen.
Seitdem muss das Mädchen Joy nach der Schule nicht mehr zur Wasserstelle laufen. Die ist ein gutes Stück entfernt vom kleinen Bauernhof der Familie. Bislang war das ihre Aufgabe. Joy sorgte dafür, dass immer genug Wasser da ist – zum Kochen und Waschen und Trinken.
Jeden Mittag nahm sie den Kanister mit dem Schultergurt – und dann ging es los. Der Weg ist steil – und in der Regenzeit sehr rutschig.
An der Wasserstelle angekommen musste sie oft lange Schlange stehen. Die Erwachsenen drängelten sich oft vor.
Ungefähr zehn Liter Wasser schleppte Joy auf einem Weg nach Hause. Also muss sie mehrmals laufen. Sonst hat die Familie nicht genug Wasser für den Tag.
Manchmal war es schon fast dunkel, bis Joy genug Wasser nach Hause getragen hatte. Da blieb nicht viel Zeit für die Hausaufgaben.
Doch seit einigen Wochen gibt es auf dem Hof einen Wasserhahn. Joy dreht den Hahn auf – und schon sprudelt ihr frisches sauberes Trinkwasser entgegen. Das Wasser ist gesund – und endlich kann Joy richtig für die Schule lernen.
Die Männer im Dorf haben das Leitungsnetz gebaut. Angeleitet durch einen Ingenieur. Das Geld für die Rohre, Pumpen und Wasserhähne kommt von der evangelischen Aktion „Brot für die Welt“.
Joy freut sich. Sie sagt: „Wenn ich mich waschen will oder Durst habe, brauche ich nur an den Wasserhahn zu gehen. Da bleibt mir mehr Zeit für die Schularbeiten.“
Für uns in Deutschland ist so etwas kaum vorstellbar. Wir drehen den Wasserhahn auf – und können dann wählen, bei welcher Temperatur wir das Wasser genießen.
Das Beispiel von Joy und ihrer Familie macht deutlich: Leider geht es vielen nicht so gut. Siebzig Prozent der Menschen haben keinen Zugang zu verlässlich sauberem Wasser. Viele können nur über Wasserstellen ihren Durst löschen. Sie verfügen über keine sanitären Einrichtungen.
Dabei ist eigentlich klar: Ohne Wasser gibt es kein Leben. Wir brauchen Wasser wie das tägliche Brot.
In diesem Jahr setzt sich die Aktion „Brot für die Welt“ besonders für die Versorgung von Menschen mit sauberen Trinkwasser ein – in Laos und in vielen anderen Ländern. Schon für 70 Euro kann einer Familie in Laos geholfen werden.
Mir ist diese Kampagne wichtig. Denn sie macht deutlich, was Nächstenliebe bedeutet: Jeder kann etwas tun – ganz konkret. Und oft reicht schon so wenig, um viel zu bewirken. Manchmal versetzt der Glaube Berge – und Nächstenliebe verlegt Wasserleitungen.

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