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Ein Segen sein – Wie geht das denn?
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Ein Segen sein – Wie geht das denn?

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung

Es klingelt an der Tür. Die Nachbarin hat mal wieder ihren Hausschlüssel vergessen. Sie ist ein bisschen schusselig. Passiert mir auch öfter. „Ein Segen, dass du da bist“, sagt sie. Mit dem Ersatzschlüssel, der bei uns hängt, schließe ich ihre Haustür auf, hänge den Schlüssel wieder bei uns ans Brett – fürs nächste Mal.
Ich sinniere so vor mich hin. Was hat sie da gesagt? „Ein Segen, dass du da bist.“ Ein Segen! Was bedeutet das eigentlich?
Meine Pfarrerin sagt oft am Schluss des Gottesdienstes: „Gott spricht: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“ Als Gesegnete fühle ich mich dann immer sehr beschützt. Nur wenn ich aktiv ein Segen sein soll, bekomme ich es leicht mit der Angst zu tun. Wie soll ich es anstellen, ein Segen zu sein? Es klingt so bombastisch, so, als ob ein einzelner Mensch damit überfordert ist.
Vielleicht hilft an dieser Stelle meine Nachbarin. „Ein Segen, dass du da bist“ hat sie gesagt. Aber was habe ich denn schon getan? Ich war einfach nur da. Habe ihr aus einer misslichen Situation geholfen. Sie wäre sonst nicht in ihre Wohnung gekommen, hätte womöglich den Schlüsseldienst anrufen müssen, das kann teuer werden.
Sie hat gute Worte dafür gefunden, dass ich ihr geholfen habe. Und ich habe mich darüber gefreut. Keine große Sache!
Es ist also gar nicht so schwer, ein Segen zu sein für andere. Lässt sich ganz leicht im Alltag verwirklichen. Überlegen Sie doch mal, wer für Sie in der vergangenen Woche ein Segen war! Wer hat Ihnen geholfen, hat Sie aus einer misslichen Lage befreit, mit seinem einfachen Dasein einen Stein aus dem Weg geräumt?
Und für wen waren Sie ein Segen? Wem haben Sie zur Seite gestanden? Für wen waren Sie da? Vielleicht stellen Sie dabei fest, dass es zu wenig war an Segen. Aber daran lässt sich arbeiten – vor allem, wenn man weiß, wie leicht es geht, ein Segen zu sein.

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