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Ein Achtel Rind – Vom verantwortlichen Umgang mit Fleisch
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Ein Achtel Rind – Vom verantwortlichen Umgang mit Fleisch

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt

Ich esse schon gern Fleisch. Gerade deshalb bin ich wählerisch geworden und esse davon viel weniger als früher. Das hat damit zu tun, dass ich Tiere, soweit es eben geht, als Mitgeschöpfe achten will, wenn ich mir schon die Freiheit nehme, sie zu meiner Nahrung zu machen. Mitgeschöpfe, das heißt für mich: Tiere haben eine Würde von Gott, wenn sie auch nicht wie wir Menschen seine Ebenbilder sind. Es gibt Unterschiede zwischen Mensch und Tier. Einer davon ist: Menschen haben die Verantwortung dafür, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Darum hab ich, was das Fleisch auf meinem Teller betrifft, ein paar Wünsche: Ich finde es gut, wenn ich von einem Schlachttier nicht nur das Filet, sondern möglichst alle Teile verwende. Das Fleisch soll nicht, bevor es auf meinem Teller landet, um die halbe Welt transportiert worden sein. Die Tiere sollen ohne Quälerei gehalten und geschlachtet werden. Eine gute Fleischqualität wünsche ich mir und keine Medikamente darin.
Und – der Bauer, der das Tier aufzieht, muss dafür fair bezahlt werden. Das klingt utopisch? So was gibt es gar nicht? Doch, das gibt es. Vor ein paar Tagen haben wir bei einem Landwirt im Vogelsberg ein Achtel Rind gekauft. Mit einigen Schüsseln im Kofferraum sind wir auf den Hof gefahren und haben dort bei einem Plausch im Kühlhaus alles eingepackt, was zu einem Achtel Rind gehört: Hackfleisch, Braten und Rouladen, aber auch Knochen, Leber und ein Stück Tafelspitz. All das haben wir zuhause portioniert und eingefroren. Die Landwirtsfamilie kalkuliert den Preis so, dass sich die Biolandwirtschaft für sie auch lohnt und wir wissen dafür, was ihre Rinder gefressen haben und wie sie gehalten werden. Eine klare Rinderbrühe aus den Knochen selbst gekocht, ist ein unverwechselbarer Genuss an einem Wintertag. Wenn wir sie löffeln, denken wir an den Vogelsberg, die Landwirte dort und haben dabei auch das Gefühl, mit Gottes Schöpfung verantwortlich umzugehen.

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