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„Durst!“ – Von der Kunst, ungewöhnliche Quellen zu suchen
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„Durst!“ – Von der Kunst, ungewöhnliche Quellen zu suchen

Anette Kassing
Ein Beitrag von

Anette Kassing,

Evangelische Stadtkirchenpfarrerin, Marktkirche Wiesbaden

Es war ein heißer Sommer. Vier Männer und Frauen haben eine lange Radtour unternommen In einem einsamen Waldstück fiel dem Ersten auf: Kein Trinkwasser mehr! Die Zungen klebten am Gaumen-, und weit und breit kein Laden in Sicht.
Miese Stimmung. Aber dann sind die Vier auf die Suche gegangen. Endlich haben sie einen einsamen Bauernhof entdeckt, der sah irgendwie verkommen aus. Aber mit einem Brunnen! Sie waren sich nicht zu schade, bei wildfremden Menschen zu fragen… und bekamen, was sie brauchten: Wasser in Hülle und Fülle! Es war das leckerste Wasser, das sie je getrunken hatten.
Durst. Manchmal gibt es ihn auch als Durst nach Leben. Sehnsucht danach, dass sich in einer alten Beziehung dieses schöne Lebensgefühl voller Schwung wieder einstellt, und dass der andere mich sieht.
Oder Durst nach Sinn und nach Gott. Sehnsucht, dass Heilung geschieht, statt sich mühsam zwischen Rückenschmerzen und Krankengymnastik hin und her zu schleppen. Lebens-Durst.
Und vielleicht hilft bei diesem „Lebens-Durst“ etwas Ähnliches wie bei der Radtour:
Sich auf die Suche begeben. Augen und Ohren offen halten und sich nicht zu schade sein, auch ungewöhnliche Quellen aufzutun. Um Hilfe bitten, statt den „starken Mann“ oder die „starke Frau“ zu markieren. Nicht gleich beim ersten Fehlversuch aufgeben. Und vielleicht auch: Nicht alleine, sondern miteinander auf der Suche sein.
Die Bibel erzählt immer wieder von Menschen, die genau das getan haben. „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ (Psalm 42, 2+3).
So hat jemand seinen Durst aus sich heraus geschrien. Andere haben in diesen Schrei mit eingestimmt. Weil sie ihn auch kennen, den Durst nach Leben und Sinn….
Augen und Ohren offen halten – auch für ungewöhnliche Quellen. Denn Gott hält sie bereit, wie den einsamen Bauernhof mitten im Wald: Wasserquellen, um Durst zu stillen. Vielleicht wird es ja sogar das „Leckerste“, was wir in unserem Leben entdecken.

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