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Das verlorene Auto – Tipps für einen Engel
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Das verlorene Auto – Tipps für einen Engel

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Vor einigen Wochen hat meine Freundin Christine ihr Auto verloren, mitten im Straßengewirr einer deutschen Großstadt.
Sie denken jetzt vielleicht: „Das geht doch gar nicht.“ Doch, das geht. Christine geht es gerade nicht so gut. Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, das ist total anstrengend für sie. Um ihre Ehe steht es auch nicht gerade zum Besten. Oft kann sie nachts nicht schlafen oder wacht viel zu früh auf.
Trotzdem: Zu diesem Gottesdienst will sie unbedingt hin. Ihre Freundin wird als Pfarrerin in einer Gemeinde in der Innenstadt anfangen.
Christine fährt viel zu spät los und natürlich findet sie in der Nähe keinen Parkplatz. Sie kurvt verzweifelt durch die engen Straßen und parkt schließlich weit weg. Dann hastet sie zur Kirche und kommt gerade noch beim Orgelvorspiel rein. Ein schöner Gottesdienst und ein netter Empfang mit vielen Grußworten folgen.
Als Christine nach Hause fahren will, fängt sie an, ihr Auto zu suchen, einen schwarzen Allerwelts-Kombi. Sie geht die ersten Straßen suchend auf und ab. Hat keine Ahnung mehr, wo sie geparkt hat. Kann sich weder an einen Straßennamen noch an ein markantes Gebäude in der Nähe erinnern. Vielleicht ist das Auto abgeschleppt worden? Eine halbe Stunde irrt Christine umher. Sie bekommt Panik. Ist den Tränen nah. Sie denkt: „Ich glaube, ich werde verrückt. Ich glaube, ich schaff mein Leben nicht mehr.“
Als Christine mir von der verzweifelten Auto-Suche erzählt, kann ich die Situation gut nachempfinden. Selbst ohne so viel Stress hätte mir das mit meinem schlechten Orientierungssinn auch passieren können.
Da, plötzlich naht Hilfe. Ein Auto stoppt neben Christine. Es ist ein älterer Kollege, der auch bei dem Empfang war. Zuerst zögert Christine, die Wahrheit zu sagen, es ist ihr absolut peinlich. Trotzdem gesteht sie: „Ich suche mein Auto. Keine Ahnung mehr, wo ich es abgestellt habe.“ Der ältere Kollege strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. Sie steigt bei ihm ins Auto ein. Er macht keine dummen Bemerkungen und keine Vorwürfe. Zusammen fahren sie Straße für Straße ab. Nach einer weiteren halben Stunde haben sie das Auto endlich gefunden.
Christine sagt im Nachhinein: „Das war für mich ein Engel in der Not.“ Stimmt, genauso sollte sich ein Engel verhalten. Er ist – von Gott geschickt – im richtigen Moment an der richtigen Stelle. Er hilft, ohne Vorwürfe zu machen. Er macht sich nicht lustig und ist kein Besserwisser. Er bleibt ruhig und gelassen. Er entschärft ohne viel Aufhebens die Dramatik der Situation. Er stellt seine Überlegenheit nicht zur Schau.
Gute Tipps für einen Engel. Ich werde mir das merken, wenn ich einmal in die Lage komme, in die Rolle des Engels zu schlüpfen.
Als Christine ihrem Retter überschwänglich dankt, sagt der schmunzelnd: „Vielleicht beim nächsten Mal ein rotes oder gelbes Auto kaufen – das findet man leichter.“
So was – Humor hatte der Engel auch noch!

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