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Das Privileg – Der Straßenmusiker Samuel Harfst
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Das Privileg – Der Straßenmusiker Samuel Harfst

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Samuel Harfst ist ein Musiker aus Hessen und schreibt Songs. Eins seiner Lieder fängt so an: „Ist es nicht wunderbar, an diesem Tag zu sein?
Es ist ein Privileg, erachte es nicht als klein.“
Samuel Harfst passt in keine Schublade. Ein Straßenmusiker, der es ins Vorprogramm von Whitney Houston geschafft hat. Ein belesener Autor und Komponist, der nichts mit Noten anfangen kann. Ein kritisch denkender Künstler auf der Suche nach Gott. Seine Art zu glauben schließt die Zweifel nicht aus. Er ist kein Sunny Boy, der immer lächelt und dem es immer gut geht.
Seine Musikkarriere beginnt auf der Straße. Samuel Harfst finanziert sein Studium mit Straßenmusik. In Interviews spricht er offen über harte Zeiten und die Suche nach Glück. Man merkt ihm an, dass er auch schon kämpfen musste.
Vielleicht ist das Lied mit dem Titel „Privileg“ deshalb der Schlager unserer Konfirmanden dieses Jahr. Die Jugendlichen haben ihn einmal gehört und dann nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Es ist eben ein Privileg zu leben und heute hier zu sein. Es ist ein Geschenk Gottes. Auch wenn es mal nicht so gut läuft.
Es scheint so, als ob er direkt ins Herz der Jugendlichen singt und ihnen Mut macht für ihr Leben: „Auch wenn du nicht mehr glaubst und sagst ’an Gott glaub ich nicht’, sag ich dir ’Gott glaubt an dich!’ Und er tut auch heute noch Wunder, Stunde um Stunde, Tag für Tag. Legst du dein Leben hin, gibt er deinem Leben Sinn.“
Eine Situation hat Samuel Harfst besonders berührt. Er erzählt:
„Ich erinnere mich noch dran, als wir das erste Mal in Frankfurt auf der Zeil gespielt haben: Da kam eine Gruppe Obdachloser auf uns zu, die waren total bewegt von unserer Musik. Der eine hat uns dann Brillen geschenkt. Keine Ahnung, wo er die herhatte. Er hatte jedenfalls eine ganze Tüte voller Brillen und hat jedem von uns eine Brille aufgesetzt.“
Die Obdachlosen: Sie öffnen Samuel Harfst buchstäblich mit einer Brille die Augen für das, was wichtig ist im Leben. Glück ist nicht, wenn alles perfekt läuft und die Rahmenbedingungen stimmen. Glück ist, den Moment zu erleben. Einen Moment der Gemeinschaft zum Beispiel. Gemeinsames Lachen und auch gemeinsames Weinen.
In solchen Momenten ist Gott ganz nah.
Ein Freund fragt Samuel Harfst: "Was ist für dich Glück? Haus, Garten, Frau, Kinder?" Er grübelt kurz und entgegnet mit Joachim Ringelnatz: "Glück ist die Brille, die man verzweifelt sucht, während sie einem auf der Nase sitzt."
Für mich heißt das: Das Glück ist viel näher, als ich denke. Gott hat mir das Privileg gegeben, heute diesen Tag zu erleben. Jeden Tag, jede Stunde tut Gott Wunder. Er schenkt mir perfekte Momente, auch ohne perfekte Rahmenbedingungen.

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