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Das Leben ist zu kurz für später
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Das Leben ist zu kurz für später

Dr. Fabian Vogt
Ein Beitrag von

Dr. Fabian Vogt,

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Darmstadt

Moderator/in: Nachher ist bei Bärbel Schäfer die Autorin Alexandra Reinwarth zu Gast. Die hat ein starkes Experiment gewagt: Sie hat für sich selbst einen fiktiven Todestag festgelegt – weil sie sehen wollte, was passiert, wenn man so lebt, als hätte man nur noch ein Jahr Zeit. Ihre verblüffenden Erfahrungen beschreibt sie in dem Buch „Das Leben ist zu kurz für später“. Fabian Vogt von der Evangelischen Kirche: Da geht’s ans Eingemachte, oder?

Unbedingt, aber im positiven Sinn. Alexandra Reinwarth beschreibt ja sehr unterhaltsam, wie diese fiktive Deadline ihr gesamtes Dasein auf den Kopf stellt: Sie setzt neue Prioritäten in ihrem Leben, sie wird ehrlicher zu sich und zu anderen, sie setzt sich kurzfristigere Ziele und sie entdeckt, was und wer ihr wirklich wichtig ist.
Und das ist eine Erfahrung, die jedem Menschen ab und an gut tut. Neu zu klären: Lebe ich wirklich so, wie ich leben möchte – oder gibt es da noch ungeahnte Möglichkeiten. Und manchmal hilft da eben so ein radikaler Gedanke wie: Wenn ich nur noch ein Jahr hätte, was würde ich anders machen?

Meinst Du, wir sollten so ein Experiment alle mal wagen?

Im Kopf gerne. Man muss aber schon erwähnen, dass Alexandra Reinwarth ihren Selbstversuch in einer sehr privilegierten Situation gemacht hat: Sie konnte zum Beispiel weniger arbeiten und sich trotzdem zwei Wohnungen leisten.
Als Pfarrer habe ich oft mit Leuten zu tun, die wirklich nur noch ein Jahr zu leben haben. Und dann lauten die Fragen eher „Wie überstehe ich die nächste Chemotherapie?“
Insofern glaube ich: Es geht im Leben nicht nur um Selbstoptimierung. Sondern darum, ob ich eine Kraftquelle finde, die mich stark und froh macht – unabhängig davon, ob gerade alles perfekt läuft. Und für viele ist eben ihr Glaube genau so eine Kraftquelle.

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